Against Dubbing

Es muss nicht immer Englisch sein – Filmtipps für Sprachaffine

Seitdem ich vor 6 Jahren den Fernseher abgeschafft habe, habe ich Jahr für Jahr spannende neue Nischen in der Filmszene entdeckt. Zunächst waren dies hauptsächlich schwedische Filme aus allen Genres und Jahrzehnten, da ich mir die schwedische Sprache selbst beigebracht habe und mir durch Filme zur korrekten Aussprache verholfen habe. Heute zählen einige schwedische Filme zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, aber schon bald wurde ich neugierig auf Filme aus allerlei anderen Ländern. Ich habe mich zunächst auf Wikipedia über die Filmszene eines Landes informiert und anschließend die Videotheken nach den Titeln oder Regisseuren abgesucht die ich mir notiert hatte. Da stieß ich oft schon auf erste Hürde: oftmals haben ausländische Filme extrem dumme deutsche Titel, netter kann man das leider nicht sagen, deshalb steht man selbst etwas dumm da wenn man nach “De grønne slagtere” (The Green Butchers) sucht, aber nicht auf die Idee kommt unter “Dänische Delikatessen” zu suchen. Solche denkwürdigen Titelübersetzungen tauchen ja auch bei englischen Filmen oft auf und sind ein Thema für sich.

Filme sind oft ein spannender Einblick in eine ganze Kultur, und da spielt natürlich die Sprache oft eine tragende Rolle. Selbst wenn man sie vielleicht selbst nicht versteht, drückt sie dennoch feinste Nuancen von Emotionen aus, die man natürlich in einer Synchronisation nicht mehr bemerken kann. Hier habe ich nun eine Liste von 10 Filmen aus aller Welt zusammengestellt, die nicht nur einen kulturellen Einblick bieten sondern auch sehr sehens- und hörenswert sind.

  • 2000, Norwegen: Sofies verden / Sophie’s World / Sophie’s Welt
    Das Buch hat wahrscheinlich jeder gelesen der seine Teenage-Jahre Ende der Neunziger hatte, aber auch die Verfilmung kann sich sehen lassen. Die HAndlung hält sich treu ans Buch und ist vielleicht sogar noch etwas spannender verpackt als die manchmal doch eher etwas trockeneren Aufsätze über Philosophie im Buch.
    Da es sich um eine norwegisch-schwedische Co-Produktion handelt hat der Film eine Besonderheit die wahrscheinlich nicht auffallen würde wenn man der skandinavischen Sprachen nicht mächtig ist – obwohl der Film durch und durch norwegisch ist, spricht jedoch einer der Charaktere (Alberto Knox) Schwedisch. Merkwürdigerweise scheinen die norwegischen Charaktere das nicht zu merken oder einfach nicht zu beachten, darum gehe ich mal davon aus das es in der skandinavischen Filmszene normal ist und wahrscheinlich auch Marketing-orientierte Gründe hat.

  • 2001, Frankreich: Le fabuleux destin d’Amélie Poulain / Amelie / Die fabelhafte Welt der Amélie
    Ah Amélie! C’est le mieux film français de tout temps. C’est une expérience cinématique comme aucune d’autres. Un histoire d’amour réconfortante et fantastique. (Je ne parle pas français).

  • 2003, Ungarn: Kontroll
    Kontroll entführt den Zuschauer in die tiefsten Abgründe der ungarischen Hauptstadt Budapest – im wahrsten Sinne, denn der Film handelt von einer Gruppe Sozial-Benachteiligten die als Kontrolleure in der U-Bahn arbeiten.
    Dies war mein erster ungarischer Film und eine persönliche Erleuchtung – ich als ahnungsloser Hobbylinguist habe mich schon immer gefragt wie die Finnischen und Ungarischen Sprachen so nah miteinander verwandt sein können obwohl sie sich optisch kaum ähnlich sehen – hört man aber beide Sprachen im gesprochenen Zustand, wird schon etwas deutlicher das sie sehr ähnlich klingen.

  • 2005, Dänemark: Adams æbler / Adam’s Apples / Adam’s Äpfel
    Die dänische Filmszene hat einen etwas makaberen Ruf, und dieser Film ist dafür durchaus repräsentativ (wenn auch vielleicht nicht so sehr wie das andere Werk von Anders Thomas Jensen mit Mads Mikkelsen, “De grønne slagtere” / “The Green Butchers” / “Dänische Delikatessen”). Adams æbler ist nicht nur makaber sondern auch sehr bizarr, wie man sehr schnell feststellt wenn man ein paar Minuten des Films gesehen hat. Er handelt von einen Neonazi der dazu verurteilt wurde gemeinnützige Arbeit in einer Kirche zu leisten. Dort legt er sich immer wieder mit dem ansässigen, extrem frommen Priester an. Ich als Fan der schwedischen Sprache habe ja immer so meine Probleme mit der “Bloß-nicht-die-Zähne-auseinander-nehmen” Aussprache der Dänen, aber dennoch ein empfehlenswerter, skurriler Film.

  • 2006, Hong Kong: Gwai wik / Re-Cycle
    Wer an asiatische Filme denkt, denkt oft an Horror – und auch das ist hier gar nicht so verkehrt. Re-Cycle fängt als typischer Horrorfilm an, der den Zuschauer auf dem Sofa zusammenkauern lässt. Allerdings nimmt der Film zur Mitte hin eine sehr unerwartete Wendung und die anschließende Handlung hat sogar ein wenig etwas von Neil Gaiman. Mehr sei hier nicht verraten, sonst wäre ja die Spannung verloren…

  • 2006, Niederlande: Zwartboek / Black Book
    Ein nicht unwesentlicher Teil dieses Films ist deutschsprachig, da er von einer holländischen Jüdin handelt, die sich im zweiten Weltkrieg vor den Deutschen während der Besatzung “versteckt”. Meiner Meinung nach ist es dank seiner ungewohnten (holländischen) Perspektive einer der besten WWII Filme die bis jetzt so produziert wurden. Regisseur Paul Verhoeven profitiert von seiner Hollywood-Erfahrung und seine holländischen Schauspieler überragen die deutschen Problemlos. Die Sprache kennt man eigentlich als Deutscher, trotzdem fand ich es spannend mich mal für eine Stunde reinzuhören und habe schnell festgestellt das man die Sprache als Deutscher problemlos lernen könnte – wenn man möchte.

  • 2006, Spanien: El laberinto del fauno / Pan’s Labyrinth
    El laberinto del fauno es una película muy fantástico del director excelente Guillermo del Toro. Su imaginación (y a veces su crueldad) no conoce fronteras, como esta película demuestra claramente. Es desgarrador y alucinante (a veces al mismo tiempo).

  • 2007, Serbien: Klopka / The Trap / Die Falle
    Mein Favorit aus Serbien kommt ausnahmsweise mal nicht von Kultregisseur Emir Kusturica, sondern vom hierzulande unbekannten Srdan Golubovic. Mit “Klopka” hat er ein wahres Meisterwerk geschaffen, denn dieser moderne Film Noir ist unangefochten der visuell kreativste und atemberaubendste Film den ich seit langem gesehen hab. Der Film handelt von einem Familienvater der versucht über illegale Wege Geld für eine lebensrettende Operation für seinen Sohn zu beschaffen. Seine Verzweiflung kann man durch die exzellente Cinematographie sehr gut nachfühlen.

  • 2008, Israel: Vals Im Bashir / Waltz with Bashir
    Ein düsterer Film über den Libanon-Krieg aus der Sicht des israelischen Regisseurs Ari Folman, der durch die Besonderheit hervorsticht das er ein animierter Dokumentarfilm (teilweise mit fiktionalen Elementen) ist. Durch die Animation und die Dialoge wirkt er oft gar nicht wie ein Dokumentarfilm, ist aber dennoch so deprimierend wie man das von einer Kriegs-Doku erwartet.

  • 2008, Südkorea: Saibogujiman kwenchana / I’m a Cyborg, But That’s OK
    Mit Regisseur Park Chan-wook assoziieren die meisten wahrscheinlich den Film Oldboy sowie die anderen beiden Teile seiner “Rache-Trilogie”. Mit diesem Film beweist er aber das er auch Love Stories beherrscht – aber natürlich auf seine ganz eigene, psychopathische Weise. Dieser Film handelt nämlich von einer jungen Frau die in eine Psychiatrie eingewiesen wird, weil sie der festen Überzeugung ist das sie ein Cyborg ist und aus dem Grund an Batterien leckt anstatt Nahrung zu sich zu nehmen. Eine skurrile aber schöne Geschichte mit hervorragender Cinematographie.

Ich bevorzuge übrigens englische Untertitel sofern vorhanden – diese sind oft wesentlich besser übersetzt als die deutschen, besonders bei eher unbekannten Filmen. Die englische Sprache lässt sich knapper ausdrücken als die Deutsche, deshalb ist der “Leseaufwand” oft bei englischen Untertiteln reduziert. Insbesondere bei spanischen oder französischen Filmen kommt noch der zusätzliche Vorteil hinzu das die Sprachen verwandt sind und manche Wörter den Englischen ähnlich sind.


One response to “Es muss nicht immer Englisch sein – Filmtipps für Sprachaffine”

  1. Simon says:

    Super, danke für die Liste. Hab schon seit Monaten kaum noch Bock auf Filme (das Wetter ist zu gut), aber wenn die anderen 8 so gut sind wie die Beiden, die ich schon kenne, dürfte sich das bald ändern…

    Amelie: Bekomme schon von der Musik Gänsehaut.

    Bashir: Den mag ich mir kein 2. Mal ansehen, so gut ist der.

    Was die ausländischen Titel angeht, kann man mittlerweile aber klar kommen, wenn man IMDB und Wikipedia kennt. Nervig ist es natürlich trotzdem – und amüsant, wenn beispielsweise ein englischer Titel für die Kinos hier einen anderen englischen Titel bekommt.

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