Against Dubbing

District 9

Nach meinem letzten Direktvergleich von Original und synchronisierter Fassung, habe ich mir diesmal mit “District 9” (IMDB, DVD, BD) einen aktuelleren Film vorgenommen und möchte wieder Unterschiede aufzeigen. Die Liste ist sicher nicht vollständig, aber es sind auch wieder ein paar Kleinigkeiten dabei, die vielleicht teilweise als nicht so schlimm empfunden werden.
 
Zu allererst stellte ich im direkten Vergleich fest, wie unterschiedlich die Stimmen des Hauptcharakters sind. Im Original fällt der ungewöhnliche südafrikanische Dialekt auf, der in der synchronisierten Version völlig verloren gegangen ist. Außerdem wurde meiner Ansicht nach für den deutschen Ton eine extrem unpassende Stimme gewählt. Es folgen zwei Videos (aus einem späteren Teil des Films) zum direkten Vergleich. Leider konnte ich nicht die gleiche Szene finden und im Trailer wurde für Wikus noch eine anderen Stimme verwendet (auch interessant).

 

 

 

  • 00:01

    Wikus: And what we do here at this department is, we try to engage with the prawn on behalf of MNU and on behalf of humans.

    Wikus: Und in dieser Abteilung beschäftigen wir uns vor allem mit von uns scherzhaft “Shrimps” genannten Wesen im Auftrag von MNU und im Interesse der Menschheit.

    Die Änderung von “Prawn” in “Shrimps” stört mich hier eher weniger, auch wenn es komisch ist, ein englisches Wort durch ein anderes englisches Wort zu ersetzen. Schlimmer finde ich aber das zusätzliche “scherzhaft”, denn das verändert schon etwas den Sinn. Gerade durch den selbstverständlichen Gebrauch des abfälligen Worts wird im Original nämlich die Respektlosigkeit gegenüber den fremden Wesen deutlicher aufgezeigt.

     

  • 00:02

    Grey: They were very unhealthy. They seemed to be aimless.

    Grey: Sie wirkten geschwächt und sie hatten offenbar die Orientierung verloren.

    Es gibt einen Unterschied zwischen Ziellosigkeit und Orientierungslosigkeit.
     

  • 00:04
    Hier werden Kommentare der Bevölkerung gezeigt, die im Original durch Akzente und schlechtes Englisch authentischer wirken als die Synchro mit “deutscher Normsprache”.
     
  • 00:05
    Eine interviewte Frau spricht im Original (vermutlich) Afrikaans und es werden Untertitel eingeblendet. In der synchronisierten Fassung spricht sie natürlich wie die meisten Afrikaner Deutsch…
     
  • 00:07

    It’s almost as big as my wedding day. You know, not as big.

    Das war fast so beeindruckend wie mein Hochzeitstag. Na ja, nicht ganz so beeindruckend.

    Besser als “beeindruckend” fände ich hier “wichtig” oder “bedeutungsvoll”.
     

  • 00:07

    Tania: Wikus was always making me things. He said that way, they just mean so much more.

    Tania: Wikus hat mir oft Dinge gebastelt. Er meinte immer, etwas selbst Gemachtes gewinnt an Bedeutung.

    Es “gewinnt” nicht an Bedeutung, sondern es “ist von größerer Bedeutung”.
     

  • 00:08
    Hier findet sich ein schönes Beispiel für die Timing-Probleme, die oft durch die Synchronisation entstehen. Wikus begrüßt einen Kollegen mit einem besonders ausführlichen Handschlag. Im Original kommentiert er dies mit “There’s the shake”, in der deutschen Version sagt er “Schlag ein”. Diese Aufforderung wirkt jedoch seltsam, da der Handschlag zu diesem Zeitpunkt bereits fast beendet ist.

     

  • 00:10

    Wikus: The prawn doesn’t really understand the concept of ownership of property.

    Wikus: Die Shrimps haben keine Vorstellung von den Begriffen Eigentum und Besitz.

    Da die Aliens umgesiedelt werden sollen, ist es hier natürlich wesentlich, dass sie keine Vorstellung von “Grundbesitz” haben.
     

  • 00:14

    Grey: The creatures became incredibly obsessed with cat food. Something about that. It was like catnip for cats, only a lot more intense.

    Grey: Diese Wesen sind vollkommen verrückt nach Katzenfutter. Irgendwas ist damit. Wir haben das durch Zufall entdeckt. Ist wie ‘n Suchtmittel für die.

    Hier möchte man den “dummen” deutschen Zuschauern anscheinend nicht zu viel zumuten. Es könnte ja sein, dass zu viele noch nie von Catnip (Katzenminzen) gehört haben. Es muss ja auch um jeden Preis vermieden werden, dass die deutschen Zuschauer am Ende noch etwas dazulernen… *seufz*
     

  • 00:16
    [Bei der Durchsuchung einer Hütte entdeckt das Team eine große Menge Alien-Eier.]

    Wikus: I need a population-control team…

    Wikus: Ich brauche sofort einen Spezialisten für Alien-Fortpflanzung…

    Der englische Begriff zeigt hier deutlicher die Zielsetzung auf, nämlich die Vernichtung der Eier.
     

  • 00:17

    Child: Some of the guns are small. But if it shoot you, it make a big mess.

    Kind: Einige von den Waffen sind klein, aber wenn man damit schießt, gibt es einen riesen Knall.

    Im Original spricht das Kind (wie ich wieder nur vermuten kann…) Afrikaans und die Untertitel zeigen fehlerhafte Grammatik. In der synchronisierten Fassung spricht das Kind perfektes Deutsch. Zudem wurde “to make a mess” falsch übersetzt. Richtig wäre zum Beispiel “gibt es eine riesige Sauerei” oder meinetwegen auch “kann man ganz schön Schaden anrichten”. Der Knall ist bei den Waffen jedenfalls sicher nicht das Wesentliche.
     

  • 00:19
    [Aliens durchsuchen eine Müllhalde und eines wird fündig.]

    Small Alien: Look! I find some!

    Kleines Alien: Sieh mal, was ich gefunden habe.

    Dies nur als Beispiel für einige Änderungen in den Untertiteln der Alien-Sprache. Ich verstehe nicht, warum die fehlerhafte Grammatik nicht in die deutsche Version übernommen wurde. Das Original lässt darüber nachdenken, ob es sich um ein besonders ungebildetes Alien handelt oder ob deren Sprache generell etwas simpler gestrickt ist.
     

  • 00:21

    Wikus: Looks like we have more and more gang members. […] This is a classic kind of gangster shack. I can tell you…

    Wikus: Sieht aus als hätten wir es hier mit verschiedenen Gangs zu tun. […] Das ist ein typisches Widerstandsnest. Dafür hab ich einen Blick.

    Aus “mehr Gang-Mitgliedern” werden hier direkt verschiedene Gangs und aus einem Gangster dann ein Widerstandskämpfer. Warum?
     

  • 00:50

    Wikus: Your father is working against me, baby. He’s lying to you.

    Wikus: Ich weiß nicht wieso, aber dein Vater bekämpft mich und er lügt dich an.

    Wieder eine kleine Änderung im Sinn. Erst wird vorne im Satz etwas Zusätzliches eingefügt und dann ist wohl hinten nicht mehr genug Zeit für “arbeitet gegen mich”.
     

  • 01:12
    [Wikus im Gespräch mit dem Alien Christopher]

    Wikus: Sorry, wait. Just go slowly with the clicks there.

    Wikus: Augenblick, ja? Sprich mal nicht ganz so schnell.

    Die schöne Anspielung auf die Eigenarten der Sprache der Aliens (“clicks”) war hier wohl zu schwer ins Deutsche übertragen, also lässt man sie einfach weg.
     

  • 01:13

    Christopher: I must go home and get help. I must use all the fluid to travel quickly.

    Christopher: Ich muss nach Hause und Hilfe holen. Ich brauche die Flüssigkeit für den Antrieb.

    Hier wird diskutiert, ob Wikus vor oder nach Christophers Reise geheilt wird. Die deutsche Übersetzung ergibt wenig Sinn, denn dass die Flüssigkeit für den Antrieb gebraucht wird, ist schon zuvor klar. Der entscheidende Aspekt ist, dass Christopher sie komplett benötigt (“all the fluid”).
     

  • 01:35

    Koobus: Now I know why everybody wants a piece of you.

    Koobus: Jetzt verstehe ich, warum jeder ein Stück von dir haben will.

    Richtig wäre gewesen: … warum sich jeder mit dir anlegen will.
     

  • 01:39

    Fundiswa: I mean, the whole data was there, you know? They didn’t even do a good job of hiding it.

    Fundiswa: Sämtliche Daten waren noch da. Verstehen Sie? Sie haben sich nicht mal die Mühe gemacht da was zu löschen.

    Keine gute Arbeit beim Löschen zu leisten ist nicht das Gleiche, wie es gar nicht zu versuchen.
     

Ich hoffe, dass auch bei diesem Film durch die Vielzahl der Verschlechterungen zum Original deutlich wird, warum es meiner Ansicht nach besser ist, sich das Original anzuschauen.

Abschließend noch ein Zitat aus einem Review der BD:

Dass das Synchronisationsteam bei District 9 keine leichte Aufgabe hatte, merkt jeder der einmal in die originale Tonspur gehört hat. Sowohl der einzigartige, südafrikanische Dialekt von Wikus als auch die vielen F-Wörter dominieren dort das Klangbild. Leider müssen diejenigen Zuschauer, die hier auf die deutsche Tonspur angewiesen sind, große Abstriche in Kauf nehmen. Wikus van de Merwe klingt wie ein Schatten seiner selbst, flach und unpassend; eine Katastrophe für die Atmosphäre des Films.


Leave a Reply