Against Dubbing

Review: Prometheus

Prometheus ist der neueste Film von Ridley Scott. Ursprünglich war geplant, ein zweiteiliges Prequel zur “Alien”-Quadrilogy zu drehen, aber bei der Stoffentwicklung sei das Ganze dann eher in Richtung “eigenständiger Film” und Neuanfang der Reihe gerutscht. Hab ich zumindest auf Wikipedia gelesen. Nicht alles, was auf Wikipedia steht, ist für bare Münze zu nehmen, und auch diese Aussage halte ich für relativ unlogisch. Wir haben am Ende des Films einen Planeten (besser gesagt, den Mond eines Planeten) mit einem abgestürzten Alien-Raumschiff, das genauso aussieht wie das in “Alien”, wir haben böse Aliens, die einen töten können wie in “Alien”, es wird ein Notsignal abgesendet, quasi eine Warnung, die dann von Sigourney Weaver richtig gedeutet wird und am Ende haben wir einen Cliffhanger. So wie ich das sehe, ein wunderbares Prequel mit Bezug auf den Film aus den 70ern, das (im Falle von ausreichend finanziellem Erfolg) bestens fortgesetzt werden kann.

Aber vielleicht kenne ich mich da zu wenig aus. Ich muss gestehen, dass ich weder ein Sci-Fi Fan bin, noch besonders auf Horror-Grusel-Alien Geschichten stehe. Ich bin, was Filme anbelangt, ein bisschen ein Weichei. Das liegt vermutlich daran, dass mich meine Brüder, als ich meinen 14. Geburtstag hatte, in eine Spätvorstellung von “Ring” mitgenommen haben und ich nachher alleine durch dunkle Gassen nach Hause gehen musste. Ehrlich gesagt war ich da nicht so gut drauf. Seitdem meide ich Filme, wo man sich fürchten muss, die grausam sind und so, ich hab den ganzen “Saw”- Hype nicht mitgemacht sondern bin lieber bei “Matchpoint” von Woody Allen geblieben. Und “Star Trek”, keine Ahnung, hat mich nie fasziniert. Star Wars, da haben mich eher die alten Filme gereizt, ist aber keine Science Fiction. Jedenfalls, wenn ich weder Sci-Fi mag noch drauf stehe mitanzusehen, wie Menschen von Aliens zerstückelt werden, wieso gehe ich dann in Prometheus? Einfache Antwort: effektives Marketing, das mich anspricht.

Ob du es glaubst oder nicht, aber manchmal kaufe ich mir Produkte oder sehe mir Filme an, nur weil mich die Marketingstrategie fasziniert. Virales Marketing, vor allem. Erinnerst du dich an den ersten Trailer von “Cloverfield”? Keiner wusste, was da los ist und keiner wusste, was es ist, so etwas taugt mir. Auch in der Musikindustrie. Als Nine Inch Nails mittels viraler Marketingstrategie 2007 das Album “Year Zero” promotet hat, und dann die CD noch mit einer wärmeempfindlichen Farbschicht überzogen war, die die Farbe verändert wenn sie warm ist, ein Wort: FETZENGEIL. (Dabei ist das Album eindeutig nicht das Beste von NIN) In solchen Fällen bin ich begeisterter Konsument, denn wenn sich die Leute wirklich Gedanken machen, wie man ein Produkt für den Kunden interessant und einzigartig gestalten kann, haben sie es auch verdient, mein Geld anzunehmen. Bei Prometheus war das ähnlich, und obwohl ich nie so ganz warm mit dem ganzen Filmgenre, habe ich mich von dem Hype anstecken lassen.

Aber nun endlich zum Film an sich! Wenn ich euch übrigens zu viel und zu ausführlich herumschwafle, dann kommentiert das entsprechend, manchmal schweife ich ein bisschen ab und leider bremst mich nie wer. Wie jetzt zum Beispiel, schon wieder schweife ich herum. Aber zum Film.

Gestern habe ich bei meinem Review zu Total Recall erwähnt, dass Spezialeffekte in der heutigen Zeit nichts mehr besonderes sind, dass sie relativ fad werden mit der Zeit, und habe Prometheus als lobendes Beispiel erwähnt, wie man einen Film machen muss. Und so sei es wieder ewähnt, und es ist nichts Neues: Ridley Scott produziert einfach geile Bilder. Der Film beginnt mit einer langen Kamerafahrt über eine Landschaft, Flüsse, sehr viel Gegend, tolle Stimmung, tolle Bilder. Diese Einstellungen am Anfang waren so toll, dass ich ganz vergessen habe, wie sehr mich 3d Filme nerven! Und diese Einstellungen hätte ich mir ohne weiteres noch Stunden anschauen können, weil es einfach meisterhaft produzierte Bilder waren. Und das ist es, was vielen Filmen fehlt: Bilder. Klingt paradox, ist aber so. Viele Regisseure vergessen, das Spezialeffekte nicht den ganzen Film machen. Oder anders ausgedrückt: Es gibt Regisseure, die erzählen eine Geschichte mithilfe von Spezialeffekten. Dann gibt es Regisseure, die erzählen Spezialeffekte mithilfe einer Geschichte. (Damit meine ich zum Beispiel Michael Bay und George Lucas).

Schau, es gibt einen Grund, wieso uns gewisse Filme in Erinnerung bleiben. Jurassic Park zum Beispiel, 1994, die Szene, wo der T-Rex aus dem Gehege ausbricht und die Autos zerstört. Oder eben Total Recall, die Szene kurz vor dem Ende, wo der Kopf von Arnold Schwarzenegger beinahe zerplatzt. Früher, als Spezial Effekte einfach noch nicht so inflationär verwendet wurden, machten sie einfach einen großen Eindruck auf uns! Aber kann sich wer an einen bestimmten Effekt oder eine bestimmte Szene aus Transformers erinnern? Jede Szene ist so austauschbar in diesen Filmen.

Und dann haben wir etwas simples wie eine Kamerafahrt über eine Landschaft, und so wahr mit Gott helfe, diese Szene war ohne pompöse, computeranimierte Materialschlacht um so vieles beeindruckender als jeder Film von Michael Bay. Und es stellt auch ein gutes Gleichgewicht her, weil sich der Film dadurch real anfühlt.

Zur Geschichte: Archäologen finden in verschiedenen Höhlen auf der ganzen Welt Malereien mit dem selben Motiv, allerdings aus unterschiedlichen Epochen der Weltgeschichte. Das Motiv zeigt einen Typen, der auf Sterne zeigt, und zufällig gibt es ein Sonnensystem, das genauso aussieht wie auf all diesen Zeichnungen. Man interpretiert dies als freundliche Einladung, also wird ein Raumschiff dorthingeschickt, finanziert von einem alten, verdammt reichen Typen. Man vermutet, in diesem Sonnensystem die sogenannten “Konstrukteure” zu finden, die uns alle erschaffen haben. Ah, das stimmt auch, das haben wir ganz am Beginn gesehen. Wir stammen also tatsächlich von denen ab. Also im Film.

Also landen sie auf dem Planeten, erforschen ein riesiges Höhlensystem, und finden dabei tote Aliens. Zwei aus der Gruppe flippen aus und wollen unbedingt zum Raumschiff zurück und trennen sich deswegen von den anderen. Weil sich die zwei auch vorher im Film eher unsympathisch verhalten haben, ist klar: die Beiden sterben als erstes. Ja, so ist Hollywood: geile Bilder, aber gewisse Dinge ändern sich nie.

Im Laufe des Films, ich möchte mich jetzt nicht in Details verlieren, kommen folgende Sachen raus. 1: der reiche alte Sack wollte die Mission nur finanzieren, weil er die Konstrukteure drum bitten wollte, sein Leben zu verlängern. 2: Der Android “David”, gespielt von Michael Fassbender, ist ein ziemlich skrupelloser Wichser und infiziert einen aus der Crew mutwillig mit einem Alienvirus, der ihn a la long natürlich tötet. 3: Wenn man mit einem Alienvirus infiziert mit einer unfruchbaren Frau schläft, wird sie trotzdem schwanger. Das Kind würde freilich sogar Abtreibungsgegner davon überzeugen, mal eine Ausnahme zu machen. 4: Die Konstrukteure sind gar nicht so nett, wie wir dachten. Schau, sie besichtigen die Höhlen, finden einen Haufen Leichen und Hologramme, in denen zu sehen ist, dass sie vor etwas fliehen und sterben. Jetzt ist natürlich die Frage, woran. Dann tauchen die bösen Aliens auf, das bedeutet: diese schwarze Flüssigkeit, die im Raum mit dem großen Kopf aus einem kleinen Wurm ein ziemliches Mistvieh macht, aus dem netten Freund von Noomi Rapace einen Zombie, der dann noch einige Nebenrollen dahinmetzelt und in weiblichen Bäuchen quasi wie eine Krake entsteht oder so. Für mich war also klar: die armen Konstrukteure wurden quasi von diesen bösen Aliens dahingerafft, jammerschade. Am Ende freilich kommt raus, dass die Konstrukteure vorhatten, das dunkle böse Alien-Mutationszeug als Massenvernichtungswaffe auf die Erde loszulassen. Am Ende lebt dann nämlich doch so ein Konstrukteur, achso, warte. !!!SPOILER ALARM!!! gehts? gut. Also, am Ende lebt dann doch so ein Konstrukteur, und noch bevor alle wissen, was los ist, bringt er alle um und versucht, mit dem Raumschiff richtung Erde zu düsen. Nur Noomi Rapace überlebt diesen Amoklauf, und die verbleibende Besatzung der Prometheus (so heißt übrigens das Raumschiff) startet einen Kamikaze-Rammangriff auf das Alienschiff und beide stürzen ab und nur Noomi Rapace überlebt.

Und so beginnt das Ende des Films. Ich muss dazu sagen, bis zu dem Zeitpunkt hab ich den Film voll ok gefunden, er war nicht langweilig, und obwohl es die meiste Zeit darum geht, dass sie durch Höhlen gehen und Sachen finden, obwohl relativ wenig “Action”passiert, war er absolut interessant und nicht langatmig. Aber das Ende! Das Ende war meiner Meinung, wie sagen sie es in “Full Metal Jacket”? Das Ende war “too beaucoup”.

Der Konstrukteur tötet alle in seiner Umgebung und macht sich auf den Weg zur Erde. Noomi Rapace entkommt und die Prometheus rammt das Alienschiff. Alle sterben, nur der Konstrukteur überlebt und macht sich auf die Jagd nach der armen Noomi. Die flieht zur abgesprengten Rettungskapsel der Prometheus, wo sie Sauerstoff und – Überraschung – das abgetriebene Alien vorfindet. Damnit! Plötzlich hört sie den Androiden David herbeifunken: offenbar kann er auch mit abgetrennten Kopf wunderbar machen was er so macht. Er warnt sie, dass der Konstrukteur sie sucht, und da kommt er schon. Noomi lässt das Alien (quasi ihr Kind) auf den Konstrukteur los und entkommt erneut. Sie findet im Raumschiffwrack die Überreste von David, ewiges blablabla, Sinnieren, dass das quasi nicht der Heimatplanet der Konstrukteure ist sondern ein militärischer Stützpunkt, weißt du, wo der Heimatplanet ist? Ja, ich weiß es! Kannst du mich hinführen? Wieso willst du dorthin? Ich will wissen, warum sie uns erschaffen haben und jetzt töten wollen! Das fand ich dann etwas mühsam. Noomi setzt den Funkspruch als Warnung ab, birgt die Überreste von David und sie machen sich in einem anderen Alienraumschiff auf den Weg zur Heimatwelt der Konstrukteure.

So. Warum genau finde ich das Ende “zu beaucoup”? Ganz einfach. Es rennt ja sowieso auf eine Fortsetzung hinaus. Wir haben ein offenes Ende, ja beinahe einen Cliffhanger. Prometheus 2 kann sofort gedreht werden, wenn man will. Wieso um Gottes Willen kann man dann den Film nicht etwas früher enden lassen? Mit dem Absturz und der Zerstörung der Prometheus zum Beispiel. Man könnte offen lassen, ob Noomi Rapace überlebt hat oder nicht und den zweiten Teil dann mit der letzten Viertelstunde des Films beginnen lassen. Sicher kommen Sachen vor, die für die Geschichte nicht unwichtig sind, aber das Ende hat mich ziemlich genervt. Dann der Kampf zwischen Alien und Alien… und am Ende bricht aus der Brust des Konstrukteurs dann ein klassisches Alien wie im Film “Alien” raus. Das ist dann wieder so ein bisschen etwas, wo ich mich für dumm verkauft fühle. Ich habs mitbekommen, Ridley, dass Prometheus mit “Alien” verwandt ist, du musst nicht noch extra, damits auch der dümmste Zuschauer mitbekommt, ein “Alien”-Alien auf die Leinwand schmeißen! Aber das ist halt Hollywood. Naja was solls.

Dann war noch Geplauder mit dem havarierten David und ab durch die Mitte zum neuen Planeten… Und das ist dann das Ende. Wie gesagt, der Film hat mir gut gefallen, das Ende war nicht nach meinem Geschmack, ich empfehle den Film weiter.

Noch ein Wort zu Noomi Rapace: sie ist “the one and only” Lisbeth Salander, in meinen Augen. Leider wurde sie seitdem schauspielerisch nicht mehr wirklich gefordert, weder in Sherlock Holmes noch in Prometheus. Ihre Leistung war gut, aber nicht so brillant, wie sie es könnte; was allerdings nicht an ihr liegt sondern eher an der Figur, die sie darstellt.

Also – wie gesagt: Empfehlenswerter, brillant inszinierter Film mit einem zu unkonsequenten Ende, aber allein die tollen Bilder waren das Eintrittsgeld wert.

Vielleicht noch ganz kurz zum Thema 3d: es nervt. Vor allem, wenn man 3d Filme nur noch um des 3d Effekts wegen macht oder – noch schlimmer – nachbearbeitet. Mir schmerzen nach wenigen Minuten meistens ziemlich die Augen, und ich versuche 3d Filme zu meiden, wo es geht. Deswegen steh ich so auf Christopher Nolan, der sich weigert 3d Filme zu machen, sondern lieber IMAX-Equipment verwendet. Bei Prometheus ist mir gut aufgefallen, dass die 3d Effekte nicht gezwungen ausgereizt werden. Erinnerst du dich an den letzten Harry Potter, also Harry Potter 7/II? Der wurde ursprünglich nicht in 3d gemacht sondern nachbearbeitet, und plötzlich wurden – völlig out of context – Sachen reingeschnitten, um den Effekt auszuschlachten. Schlangen, die unmotiviert auf die Kamera zuschießen und solche Sachen. Mich nervt so etwas extrem und reißt mich aus der Geschichte, also hab ich es echt cool gefunden, dass in Prometheus so etwas nicht vorgekommen ist. Ehrlich gesagt hab ich zwischendurch ganz vergessen, dass ich mir einen 3d Film anschaue – und das ist meiner Meinung nach auch der Sinn und Zweck der Sache. Denn wenn man sich während eines Films drauf konzentriert, das man sich gerade einen 3d Film anschaut, anstatt dass man sich in der Geschichte verliert, ist das für mich nur eine Ablenkung. Und wer will schon abgelenkt werden beim Filmschauen? Eben.


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