Against Dubbing

Review: Total Recall

Es ist ein ewiger Kampf in den letzten Jahren, wo kaum mehr wirklich neue, originelle Filme ins Kino kommen: was ist besser? Original oder Remake?

Lasst mich erstmal meine Einstiegsbehauptung untermauern mit folgendem Statement: gefühlte 95% der Filme, die in den letzten 10 Jahren ins Kino kamen, sind entweder Prequels, Sequels, Remakes oder Adaptionen von Büchern, Comics bzw. Spielzeugautos. Beispiele? Star Wars Episode I,II,III; Stirb Langsam 4 (der 5. Teil ist gerade in Arbeit), “What to expect when you’re expecting” als aktuellstes Beispiel einer Buchadaption (lahmer deutscher Titel: “Was passiert wenn’s passiert ist”… naja.), Batman, Spiderman, Avengers, Iron Man und natürlich Transformers. Ich denke, Battleship passt da auch noch rein.

In der lezten Woche war ich zwei Mal im Kino und sah ein Remake und ein Prequel – Total Recall als Remake des gleichnamigen Films von Paul Verhoeven aus dem Jahre 1990 mit Arnold Schwarzenegger und Sharon Stone und Prometheus von Ridley Scott, das Prequel zu seinem Klassiker “Alien” aus dem Jahr 1979. Da ich schon längere Zeit vorhatte, mit die beiden Filme anzusehen, habe ich mich natürlich entprechend vorbereitet und mir sowohl Total Recall auf DVD besorgt als auch die gesamte Alien-Kollektion.

Ich beginne am Besten bei Total Recall, zu Prometheus verfasse ich morgen einen eigenen Text. Zunächst folgendes: sollte sich jemand die DVD des Originals kaufen wollen, bitte UNBEDINGT darauf achten, dass man die ungeschnittene Version, welche ab 18 freigegeben ist, bekommt. Paul Verhoeven ist dafür bekannt, Gewalt überzeichnet und schonungslos darzustellen, und wenn man jede Szene, die ein bisschen schockierend ist, rausschneidet, ist ja kaum mehr Film übrig, den man sich ansehen kann. Und das war dann ehrlich gesagt auch die Sache, die mich am Remake am Meisten gestört hat.

Die Handlung blieb größtenteils vorhanden, allerdings wurde der Mars weggelassen… stattdessen spielt der Film in einer postapokalyptischen Welt, in der es nur noch Großbritannien und Australien, die “Kolonie”, gibt. Der Rest der Welt ist durch nuklearen Fallout unbewohnbar. Die Bewohner der Kolonie werden von den anderen beherrscht und unterworfen, und ein gigantischer Lift, genannt “the Fall”, verbindet die beiden Länder direkt durch den Erdkern.

Das war dann schon eine Sache die mich etwas genervt hat. Im Original spielt der Großteil der Handlung auf dem Mars, und ich sage jetzt, wie es ist: Reisen zum Mars sind nicht völlig unrealistisch! Dass man aber einen Aufzugsschacht durch den Erdkern treiben kann und da täglich zigtausende Leute durchschickt… da frage ich mich schon, wie genau das funktionieren soll, aber was solls.

Ganz allgemein muss ich sagen, dass ich an keinen Punkt des Filmes wirklich in die Handlung gezogen wurde. Erstens, weil die “shaky Cam” schon seit der “Bourne Verschwörung” extrem nervt, zweitens, weil der ganze Film zu steril war.

Damit meine ich folgendes: Kate Beckinsale spielt Colin Farrells vermeintliche Ehefrau, ist aber eine Agentin, die ihn unter Kontrolle halten soll. Als Colin Farrell nach einer Schießerei bei “Rekall” nach Hause kommt und ihr davon erzählt, versucht sie ihn umzubringen. So findet der ahnungslose Zuschauer heraus: Aha! Mit dieser Frau stimmt wohl etwas absolut nicht! Es folgt eine Kampfszene, eine Verfolgungsjagt und er entkommt. So. Und ab dem Zeitpunkt im Film sieht man Kate Beckinsale nur noch extra dunkel geschminkt mit bedrohlich gestylten Haaren wild und sauer herumtigern, damit auch der letzte Depp im Kino den optischen Eindruck bekommt “Holla die Waldfee, das muss ja eine Böse sein!” Und das ist meiner Meinung nach eine Art und Weise, das Publikum irgendwie für dumm zu verkaufen, auf so etwas bin ich irgendwie allergisch. Sharon Stone, die die gleiche Rolle im Originalfilm gespielt hat, schafft es auch ohne plötzliche Stylingänderungen… wenn ich mich recht entsinne, ändert sie nichteinmal großartig ihre gesamte Art.

Anderes Beispiel: Die Geschichte des Remakes wurde teilweise relativ schlüssig umgeschrieben, und es wurden Details hinzugefügt, die wirklich Sinn ergeben und eine Bereicherung darstellen. Leider sind die Kampfszenen dermaßen steril und Kindergeburtstag, dass die Geschichte wieder darunter leidet. Colin Farrell wird in der Firma Rekall, die Erinnerungen verkauft, in einen Kampf mit der Polizei verwicket, und es folgt eine wohl choreographierte Gefechtsszene mit tollen Kamerafahrten, in der kein Tropfen Blut fließt und Farrell unbeschadet davonkommt. Vergleichen wir die Szene mit dem Original: Arnold Schwarzenegger, der weiß Gott kein großer Schauspieler ist, wird nicht mit der gesamten Polizei sondern mit 5 Leuten oder so in einen Kampf verwickelt, einer von ihnen ist ein Arbeitskollege, der ihn plötzlich töten will. Er schlägt sie zusammen, es fließt Blut, sie ist keineswegs brillant choreographiert. Nichteinmal eine atemberaubende Kamerafahrt ist dabei, sie ist ganz simpel gefilmt. Aber: sie ist emotional. Man sieht, es passiert was, und am Ende kann es der arme Arnold kaum fassen, was er da angerichtet hat. Colin bringt die halbe Polizeistreitkraft in dieser sterilen Szene um, kann es wohl auch nicht fassen, aber das “emotional Involvement” durch die Beteiligung eines Vertrauten bleibt aus.

Und so bleibt auch der restliche Film, steril und unemotional. Kate Beckinsale darf im Gegensatz zu Sharon Stone bis zum Ende leben, emotionaler wird der Film dennoch nicht, auch wenn es mehr Kampfszenen zwischen “Mann und Frau” gibt. Außerdem fehlt der ironische Witz, der im Original durch Arnold Schwarzenegger reingebracht wird. Und natürlich muss man auch erwähnen, dass Total Recall in den frühen 90ern bahnbrechende Leistungen im Bereich Visual Effects erbracht hat, während heutzutage zu viele Special Effects auch nur noch lahm sind. Die Visuals waren gut, keine Frage, aber – sind wir uns mal ehrlich – heutzutage braucht es schon etwas mehr als das. Prometheus zum Beispiel – aber das schreib ich erst morgen.

Es hat dem Film auch nicht geholfen, permanent Anspielungen auf das Original zu machen – am prominentesten natürlich durch die Frau mit den drei Titten. Willkürlich Leute in einen Film reinzuschreiben macht es wirklich nicht besser, aber was solls.

Also, mein Fazit: Schaut euch unbedingt das Original an, der Film ist auch 22 Jahre nachher immer noch ein großes Vergnügen.

Wenn ihr das Original nicht kennt und Lust habt auf einen relativ solide produzierten Actionfilm mit einigen Logiklücken: Viel Spaß!


3 responses to “Review: Total Recall”

  1. Steffen says:

    Sehr guter erster Review, Lenny! Habe das Remake selbst noch nicht gesehen und werde mir jetzt wohl auch eher mal wieder das Original anschauen. Bin mal gespannt auf deine Meinung zu Prometheus, den hab ich nämlich zufällig auch gestern angeschaut. :)

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