Against Dubbing

Review: The Bourne Legacy

Letzte Woche habe ich die Frage in den Raum gestellt, ob man wirklich noch einen Bourne-Film braucht. Ich sage gleich vorweg: diesen Bourne Film sicher nicht.

Zunächst ist da eine relativ irreführende Namensgebung: der Film hat kaum etwas mit einem “Vermächtnis” (dt. Titel “Das Bourne Vermächtnis”) von Jason Bourne zu tun, er wird freilich permanent erwähnt, wahrscheinlich, damit die Namensgebung auch gerechtfertigt ist; ferner steht im Untertitel „Jason Bourne war nie der Einzige“. Das heißt, nicht im Untertitel, aber eben auf den Filmplakaten unter dem Titel. Verdammt noch einmal, natürlich war er nie der Einzige! In den ersten drei Filmen tötet er ständig andere Agenten von Threadstone, von Blackbriar und dergleichen, es ist dem Zuschauer sowieso klar, dass Jason Bourne nie der einzige Superagent war. Egal.

Der Film war einfach nicht gut. Ich musste permanent an andere Dinge denken, während ich im Kino gesessen bin, ich wurde nie in die Handlung reingezogen, es war mir einfach – kurz und gut – scheißegal, was da gerade auf der Leinwand abging. Und teilweise fand ich ihn zum schreien komisch. Zum Beispiel heißt da das aktuelle Agentenprogramm „Outcome“, was für mich schwer nach „Coming Out“ klang, und ich mich zwischendurch fragte, ob „Outcome“ nicht ein guter Name für einen neuen Schwulenclub in Wien wäre.

Die Handlung setzt zeitgleich mit dem dritten Film ein, also mit “The Bourne Ultimatum” Der Journalist, der in der Waterloo Station erschossen wird, wird erwähnt und der Vorfall thematisiert, ständig fällt Bournes Name, Noah Vosen und Pamela Landy tauchen auf, und ich dachte mir, hey! Gut, dass ich mir noch letzte Woche alle drei Filme angeschaut habe, sonst wäre ich jetzt gelangweilt und verwirrt. Zehn Minuten später war ich gelangweilt und verwirrt. Jeremy Renner rennt in Alaska herum, offenbar auf einer Art Trainingsmission, und währenddessen beschließt Edward Norton, dass man das Programm Outcome abbrechen muss, weil es gerade Untersuchungen wegen der ganzen Bourne-Threadstone-Blackbriar-Geschichte gibt. Jeremy Renner kommt in einer einsamen Hütte in Alaska an, offenbar war das sein Ziel, und trifft auf einen anderen Agenten, wenig später wird diese Hütte von der CIA gesprengt. Auch alle anderen aktiven Agenten werden getötet. Ja, die müssen nämlich alle Tabletten schlucken, eine grüne und eine blaue, bekommen dann andere Tabletten, und davon sterben sie alle. Der Agent in der Hütte freilich wird in die Luft gesprengt, Jeremy Renner entkommt.

Die Agenten müssen sich immer wieder in einem Labor medizinisch checken lassen, wo sie auch diese lustigen Tabletten erhalten und so weiter. Weil jetzt natürlich das ganze Programm eingestellt wird, braucht man das Laborpersonal auch nicht mehr, also erhält einer der Forscher offenbar eine Gehirnwäsche und bringt alle um. Nur Rachel Weisz überlebt, doch ein CIA -Team versucht sie zu töten und es wie ein Selbstmord aussehen zu lassen. Jeremy Renner kommt dazwischen und bringt alle um. Außer Rachel Weisz, natürlich. Er will dann unbedingt die Pillen von ihr… die grünen braucht er nicht mehr, weil er mit einem genveränderten Virus infiziert wurde, aber die blauen, die seine Intelligenz verbessern und offenbar ist er nämlich nicht gerade der hellste und braucht die unbedingt, aber die werden auf den Philippinen hergestellt, also fliegen sie hin, was genau dort so abgeht weiß ich auch nicht, weil ich zwischendurch mit meinen Freunden diskutiert habe, ob wir gleich gehen wollen oder wirklich noch eine dreiviertel Stunde über uns ergehen lassen sollen, immerhin hat da der Film schon 90 Minuten gedauert und war weit weg von einem Kern oder einem Höhepunkt, spannend war es auch nicht, dann ist einer der Lautsprecher eingegangen und hat furchtbar gekracht, vor allem bei tieferen Tönen, allgemein war es recht laut im Kino, und so war es recht lustig mitanzusehen, wie das Kinopersonal versucht, das in den Griff zu bekommen, ehrlich! Das war spannender als der Film. Wir haben dann überlegt, ob wir da Geld zurück verlangen können, einerseits wegen dem kaputten Lautsprecher und der Lärmbelästigung und dann natürlich, weil der Film so ein Blödsinn war, aber mir wurde dann gesagt, ein Kino sei kein Reisebüro. Also haben wir es nicht versucht.

Auf den Philippinen checkt Rachel Weisz dann Jeremy Renner den anderen Virus, der die blaue Pille überflüssig macht… und das gelingt auch, am nächsten Tag findet sie die Polizei und ein Agent des Programmes „LARX“ – offenbar ein Upgrate von „Outcome“, viel zu lange Verfolgungsjagd, arm an Höhepunken und dann ist der Film aus, ohne dass man das Gefühl hatte, dass er jemals zum Kern der Geschichte gekommen ist. Okay!

Jetzt bin ich kein professioneller Filmemacher, und ich weiß nicht, ob ich das Recht habe, mich als nicht-Fachmann mich überhaupt kritisch zu den Filmen zu äußern. Immerhin bereiten Filme verdammt viel Arbeit, ich hab bei kleineren Produktionen mitgearbeitet und weiß, wie aufwendig das ist! Furchtbar, vor allem, wenn man an Originallocations filmt, ein Albtraum. Und ich respektiere Tony Gilroy für seine bisherigen Leistungen, die Drehbücher der bisherigen Bourne-Filme waren wirklich gut und die Regie nicht schlecht. Aber der Film war unnötig, unnötig, unnötig. Aber fangen wir mit dem Positiven an, was mir am Film gefallen hat. Es war nicht alles schlecht! Mir hat das Ende gefallen, weil er da aus war, natürlich, und Edward Norton wieder einmal im Kino zu sehen, war auch nett, er ist ein ausgezeichneter Schauspieler und hat gute Leistungen erbracht. Die Regie war auch nicht schlecht. Man konnte den wenigen Actionsequenzen sehr gut folgen, weil sie nicht komplett verwackelt waren.

Kommen wir zu den Sachen, die mir weniger gefallen haben. Kein Matt Damon! Keine Julia Stiles! Also kein Bourne, an sich. Wozu dann überhaupt den Film?

Nochmals, ich bin kein Filmemacher oder sonst etwas. Aber man hätte die Bourne- Trilogie nur auf eine logische Art und Weise fortsetzen können: man schließt an das Ende des dritten Teiles an, wo die CIA und die Regierung versuchen, die Sachen mit Threadstone und Blackbriar aufzuklären. Im aktuellen Film werden Anhörungen erwähnt, und dass Pamela Landy von einigen des Landesverrats bezichtigt wird, immerhin hat sie Bourne geholfen, der ja ein Staatsfeind ist. Das ist schon einmal eine wunderbare Grundlage für einen Politthriller! Die Regierung will aufdecken, manche Leute in der CIA wollen vertuschen, Pamela Landy wird vielleicht ein bisschen bedroht oder überlebt ein Attentat, Bourne rettet sie vielleicht oder besorgt einfach einige Beweise, wird nach wie vor von gewissen Leuten gejagt, und Nicky Parsons unterstützt ihn irgendwie dabei, wird aber auch verfolgt. Am Ende könnte man das dann auflösen, vielleicht wird Bourne quasi rehabilitiert, genauso wie Nicky Parsons, oder man lässt das Ende offen, weil es so schön ist, Filme offen enden zu lassen, oder man legt noch Hinweise für eine weitere Fortsetzung, was weiß ich. Das wäre etwas, was meiner Meinung nach als Bourne-Film funktionieren würde. Und es wäre auch der passende Titel, weil das „Bourne Vermächtnis“ damit aufgearbeitet, aufgeklärt wird. Das wäre zumindest meine erstbeste Idee, die mir kommt, wenn ich darüber nachdenke, was denn ein würdiger neuer “Bourne” wäre.

Nun hat Matt Damon immer gesagt, er würde noch einen Bourne machen, wenn Greengrass wieder Regie führt, der wohl keine Lust hatte, oder vielleicht wollten die Produzenten ihn nicht, oder vielleicht hatte es finanzielle Gründe, was weiß man denn schon genau, was dort immer vorgeht, in den großen Filmstudios.

Also sagten sich die die Produzenten vermutlich: „Auch gut, machen wir den Bourne halt ohne Bourne.“ Denn glaubst du wirklich, dass die Produzenten mit dem neuen Film die Geschichte von Bourne weitererzählen wollten, weil es so ein verdammt guter Stoff ist? Nein, verdammt. Es geht und ging ganz einfach ums Geld. Bourne-Filme verkaufen sich seit zehn Jahren wirklich gut, und wenn man einen Film „The Bourne Suspicion“ nennt und einfach die drei ersten Filme auf die Leinwand schmeißt, und in dreifacher Geschwindigkeit rückwärts abspielt, wird er trotzdem mehrere hundert Millionen Dollar einspielen. Vermutlich.

Das Resultat ist – wie gesagt – ein langweiliges Desaster von Film, dessen Handlung völlig schwachsinnig ist und bei dem man sich permanent verarscht fühlt. Verdammt noch einmal, ich habe bei dem Film lieber darüber nachgedacht, von welchen Filmen da Ideen gestohlen wurden, anstatt mich auch nur einen Deut für die sogenannte „Handlung“ zu interessieren. Ich dachte an Matrix – rote und blaue vs. grüne und blaue Pille – ich dachte an „Crank “ – weil es nicht reichte, dass Jeremy Renner ein Topagent war, nein, er musste auch Tablettenabhängig sein, während in „Crank“ Jason Statham nicht ein einfacher Actionheld sein konnte, sondern permanent auf Adrenalin sein musste oder im zweiten Teil unter Strom – ich dachte an „The Bourne Ultimatum“, weil es auch eine Verfolgungsjagd über Dächer gab, diesmal halt in Bangkok, ich dachte an „Tomorrow Never Dies“, weil es eine Verfolgungsjagd mit Motorrädern gab, auch mit einer Frau am Sozius, die zwar noch nie auf einem Motorrad mitgefahren ist, aber die Stunts recht souverän mitmacht. Mir sind Notausgänge aufgefallen, die offenbar nur mit Key-Card zu öffnen sind oder mit einer Axt, das Gebäude fällt sicher bei jeder Brandschutzkontrolle durch. Ich dachte an Bond, weil Jeremy Renner irgendwie Ähnlichkeit mit Daniel Craig hat. Was mich auch etwas gestört hat, denn bei Matt Damon, der nicht wie der klassische Actionheld aussieht, war es einfach cool, wenn er verrückte Dinge gemacht hat, weil man nicht erwartet, dass das Milchbubi Vollgas geben kann. Bei einem Muskelpaket wie Jeremy Renner weiß man, was man erwarten kann – und wird im Endeffekt enttäuscht, denn ich erinnere mich an drei Kampfszenen in zwei Stunden und fünfzehn Minuten Film. Oder vier, wenn man eine Rangelei mit einem Wolf mitzählt. Und dazwischen war er einfach langweilig. Die Kampfszenen waren auch langweilig. Und die Version von „Extreme Ways“ von Moby, die über den Abspann gestreut wird, ist eine Vergewaltigung des Originals.

Kurz und gut, ich empfehle ihn nicht weiter, ich bin wirklich mit den besten Absichten ins Kino gegangen, aber der Film ist einfach nicht gut. Das ist zumindest meine bescheidene Meinung. Falls dir der Film gefallen hat und du findest, ich schreibe hier nur Scheiße, dann würde ich mich jedenfalls freuen, wenn du mir deine Meinung mitteilst und mir ein Mail schreibst: lenny@against-dubbing.com . Ich freue mich über jedes Feedback, über Kritik sowie Würdigung und vielleicht auf die eine oder andere Diskussion über mein Lieblingsthema (Filme).


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