Against Dubbing

Review: Die Bourne-Trilogie

Anlässlich des Kinostarts von „The Bourne Legacy“ nächste Woche lasse ich hier die bisherigen Filme Revue passieren, um uns alle wieder up-to-date zu bringen, was wir bisher gesehen haben und wissen. Oder weißt du noch, was es mit „Threadstone“ und „Blackbriar“ auf sich hatte, wer Nicky Parsons und Pamela Landy sind und warum wir ab dem zweiten Film kaum mehr etwas erkennen konnten, weil die Kamera ständig so gewackelt hat? Eben. Also, gehen wir’s an!

Zur Handlung:

Die Handlung ist oberflächlich schnell erzählt: Jason Bourne ist ein CIA Agent mit Gedächtnisverlust, der keine Ahnung hat, was los ist und von einem Abenteuer ins nächste tappt.

Freilich ist es nicht so einfach. Der erste Film beginnt damit, dass Fischer vor der Küste von Marseille einen leblosen Mann – Bourne – aus dem Wasser fischen. Sie retten ihm das Leben und schneiden ihm mehrere Projektile und einen implantierten Laserpointer aus dem Körper, der eine Zahlenkombination projiziert, wenn man draufdrückt – die Kontonummer von Bournes schweizer Bankschließfach. Bourne erwacht und stellt fest, dass er sich an rein gar nichts erinnern kann. Die Sache ist nämlich die, dass er einen gewissen Herrn Wombosi, ein afrikanischer Despot im Exil, auf dessen Yacht hinrichten sollte, allerdings bekam er Skrupel, floh von der Yacht und wurde angeschossen. Die CIA ist natürlich alles andere als erfreut, dass Wombosi noch lebt und jetzt Gott und der Welt erzählt, dass die CIA ihn aus dem Weg schaffen wollte. Der Grund für den Attentatsversuch war freilich, dass Wombosi ein Buch über die CIA in Afrika veröffentlichen wollte, in dem auch pikante Namen vorkommen, und da er jetzt einen Attentat überlebt hat, wird er nicht unbedingt angenehmer für gewisse Herrn. Außerdem ärgern sie sich natürlich, dass Bourne die Mission nicht erfüllt hat und quasi verschwunden ist.

Dieser ist eine Zeitlang mit den netten Fischern unterwegs, steigt in Marseille wieder aus und fährt in die Schweiz, um die Lage mit seinem Bankschließfach zu checken. In der Bank findet er verschiedene Pässe, ausgestellt auf verschiedene Namen aus verschiedenen Ländern, jede Menge Bargeld verschiedenster Währungen und eine Waffe sowie ein Hinweis auf seine Wohnung in Paris. Leider befindet sich in der Bank ein CIA- Spitzel, der gleich die Leute in Langley davon informiert, wo er ist.

Dort tagt übrigens gerade ein Krisenstab. Wombosi erzählt allen, die davon hören wollen, vom Attentatsversuch, und der CIA Direktor will wissen, wer verantwortlich war. Hier wird klar, dass es keine offizielle CIA – Mission war. Einer von ihnen wird nach der Besprechung relativ nervös und befragt seine Mitarbeiter, was da los ist, ob es „Threadstone“ war. Es wird eingeräumt, dass der Kontakt zum Mann – Bourne – abgebrochen ist, schon zwei Wochen. In Paris befindet sich die geheime „Threadstone“- Wohnung, in der Nicky Parsons, gespielt von der großartigen Julia Stiles, die Operation in Europa verwaltet. Um Bourne ausfindig zu machen, werden „alle Agenten aktiviert“. Bei dieser Aktivierung wird recht schön gezeigt, was hier abgeht – in verschiedenen europäischen Städten, Barcelona, Rom etc., leben verschiedene Männer ein normales Leben, geben Klavierunterricht, sitzen in Besprechungen oder fahren mit der Vespa ums Kolosseum, bis sie ein SMS bekommen und auf ein Ziel gehetzt werden. Profikiller also, die inoffizielle Tötungsmissionen durchführen, über die nicht einmal gewissen CIA-Bonzen Bescheid wissen.

Bourne begibt sich ins amerikanische Konsulat, wird allerdings gestellt. Oder besser gesagt, man versucht ihn zu stellen. Er flieht und trifft auf Marie Kreutz, der er 20.000$ für eine Fahrt nach Paris anbietet. Dort findet er seine Wohnung vor – und ruft mittels Wahlwiederholung ein Hotel in Paris an, das wo ein gewisser John Michael Kaine – eine von Bournes Identitäten mit Reisepass – gewohnt hat, allerdings wird ihm gesagt, dass er tot sei. Und bevor Bourne diese Neuigkeit verdauen kann, kommt schon ein Attentäter durchs Fenster gerauscht und versucht Bourne und Marie zu töten. Es gelingt ihm, den Attentäter zu überwältigen, doch bevor sie ihn verhören können, springt er aus dem Fenster und begeht so Selbstmord, was natürlich auch die Polizei auf den Plan ruft.

Bourne und Marie tauchen unter und schaffen es aus dem Hotel von John Michael Kaine, die Hotelrechnung zu besorgen. Mittels der getätigten Anrufe gelingt es eine Spur in Paris zu verfolgen, eine Sicherheitsfirma, die sich auf Boote spezialisiert. In der Firma wird Bourne als Kaine begrüßt und erkannt, und er bekommt einen Prospekt einer Yacht, für die er sich interessiert hat. Sie finden außerdem in einem Leichenschauhaus Kaine, allerdings ist die Leiche weg. Sowohl im Prospekt der Yacht als auch im Gästebuch des Leichenschauhauses findet sich ein Hinweis auf Wombosi, doch als sie sich zu Wombosi begeben, finden sie heraus, dass auch er mittlerweile verstorben ist. Er wurde nämlich mittels eines Threadstone-Agenten erschossen. In der Zeitung findet Bourne den Hinweis auf seinen Anschlagsversuch auf Wombosi auf seiner Yacht, womit ihm klar wird, dass er ein Auftragskiller ist.

Bei der CIA ist man alles andere als erfreut, dass Wombosi mitten in Paris eliminiert wurde, der Leiter von Threadstone schiebt die Schuld allerdings auf Bourne, da es ja ursprünglich seine Mission gewesen ist. Bourne und Marie fliehen aufs Land, wo es zum Showdown mit einem anderen Threadstone-Agenten kommt. Bourne tötet ihn, und ruft mit dessen Handy bei der CIA an, um ein Treffen mit dem Threadstone-Chef ausmacht. Sorry übrigens, wenn ich da keine Namen nennen kann. Weißt du, ich schau mir gerade „Die Bourne Identität“ an, und er wird – und ich hab gut aufgepasst – nie mit Namen angesprochen! Und auf Wikipedia will ich nicht nachschauen, sind wir uns ehrlich, da hätte ich gleich den ganzen Artikel herkopieren können. Aber Wikipedia ist keine Quelle, aus der ich schöpfe, also tut es mir Leid, wenn ich manchmal keine Namen nennen kann sondern „CIA-Bonze“ und „Threadstone-Chef“ schreib. Jener Threadstone-Chef kommt zum Treffpunkt freilich nicht alleine, Bourne ist darüber nicht erfreut und verfolgt sie zur Wohnung in Paris. Dort kommt der Showdown – Bourne erfährt, was er ist, und versucht ihnen klar zu machen, dass er als tot zu gelten habe. Allerdings wird er von Agenten überrannt, die er alle umbringt und flieht. Der Threadstone-Chef enkommt zwar, wir aber auf der Straße von einem Agenten getötet – im Auftrag des CIA-Bonzen. Ok, ich komm nicht umhin, es wird zu verwirrend, ich schaue im Wikipedia nach. Gott vergebe mir! Also: Threadstone Chef: Conklin, CIA-Bonze: Abbott. Abbott, der auch bei der Krisensitzung entsetzt war, dass offenbar Conklin Wombosi töten wollte, auch nicht besonders erfreut war über die Bourne-Geschichte und die Art und Weise, wie damit umgegangen wird, lässt am Ende Conklin auf offener Straße töten. Am Ende sieht man Abbott bei einem Untersuchungsausschuss aussagen, dass Threadstone ein theoretisches Ausbildungsprogramm gewesen sei, das wegen Unrentabilität eingestellt worden sei. Allerdings gäbe es ein neues Kommunikationssystem namens „Blackbriar“. Und Bourne findet ganz am Ende Marie in Griechenland vor und everything is alright.

„Die Bourne Verschwörung“ setzt zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Filmes ein. Bourne und Marie leben in Indien ein relativ friedliches Leben, Bourne versucht immer noch herauszufinden, was genau in seiner Vergangenheit abgegangen ist und führt eine Art Traumtagebuch, da er immer wieder von Orten träumt und Flashbacks hat. Unter anderem träumt er öfter von Berlin.

Ebendort versucht ein Team der CIA gerade, Informationen zu kaufen, die sogenannte Neski- Akte. Die Sache ist relativ kompliziert, und um mich nicht zu verhaspeln, werd ich es einfach chronologisch angehen: während einer Geldtransaktion der CIA über Moskau verschwinden 20 Millionen Dollar. Das Geld hat ein gewisser Gretkov sich abgezweigt, um damit ein russisches Ölimperium aufzubauen, mit freundlicher Unterstützung von Abbott, dem – eh schon wissen – Chef von Threadstone. Neski, ein russischer Politiker und Idealist, der auch entschieden gegen die Privatisierung der Ölwirtschaft ist, kommt dahinter und mach die CIA darauf aufmerksam, dass es einen Maulwurf gibt. Bevor er aber näheres bekanntgeben kann, wird er erschossen, von Bourne, der es so aussehen lässt, als hätte Neskis Frau ihn erschossen und dann Selbstmord begangen. Der Auftrag kam von Conklin, der ihn wiederum wahrscheinlich von Abbott bekommen hat. Das alles war vor ungefähr 7 Jahren. Nun taucht ein russischer Agent auf und will für 3 Millionen Dollar Informationen verkaufen – die Neski-Akte. Ein Agent im Auftrag von Gretkov, dem Öloligarchen , der sein Imperium auf dem gestolenen CIA-Geld gegründet hat, stört allerdings die Übergabe, indem er alle tötet, sämtliche Informationen und das Geld mitnimmt und Fingerabdrücke von Bourne hinterlässt. Die Leiterin der Operation, Pamela Landy, stößt bei der Recherche nur auf geschlossene Threadstone-Akten, und in weiterer Folge auf Abbott, der diese Bourne-Verschwörung mitgeplant hat. Landy ist davon überzeugt, dass Bourne die Agenten in Berlin getötet hat. Der ist allerdings nach wie vor in Indien mit Marie. Der russische Agent macht ihn ausfindig und will ihn töten, erwischt aber versehentlich Marie. Bourne ist fälschlicherweise der Meinung, dass der Agent im Auftrag der CIA unterwegs ist, hält ihn für einen Threadstone-Mitarbeiter, und begibt sich nach Europa.

In Neapel wird er an der Passkontrolle aufgehalten, allerdings ist Bourne nicht der Typ Mensch, der sich lange aufhalten lässt. Er schlägt also den hiesigen Agenten des amerikanischen Konsulats und einen Polizisten zusammen, kopiert die SIM-Karte des Agenten und kann so seine Telefongespräche mithören. So hört er das erste Mal von Pamela Landy – und auch, dass er angeblich letzte Woche in Berlin zwei Agenten getötet haben soll. Also begibt er sich nach Berlin, auf dem Weg dorthin bleibt er kurz in München stehen, um den letzten verbleibenden Threadstone Agenten zu verhören. Er erfährt, dass Threadstone nach Conklins Tod aufgelöst wurde und bringt ihn im Kampf um.

Abbott macht Nicky Parsons in Amsterdam ausfindig und sie schließt sich ihm und Pamely Landy an, um nach Bourne zu suchen, da sie als ehemalige Verantwortliche für Logistik und den Gesundheitszustand der Agenten Bourne von allen Beteiligten am Besten kennt. Bourne spürt Pamela Landy auf und verfolgt sie zu ihrem Berliner Arbeitsplatz. Er ruft sie an, gibt vor, sich stellen zu wollen und verlangt Nicky Parsons auf dem Alexanderplatz bei der Weltzeituhr zu treffen. Natürlich stellt er sich nicht, sondern verhört sie alles andere als sanft. Also er foltert sie nicht, setzt sie aber doch ziemlich unter Druck. Im Zuge des Verhörs erinnert er sich wieder an den Namen „Neski“, recherchiert ein bisschen und stößt auf das „Hotel Brecker“, in dem Neski (von ihm) getötet wurde. Als er das Hotelzimmer besichtigt, erinnert er sich wieder vollständig an seinen damaligen, ersten Auftrag und wie er Neski und seine Frau ermordet hat. Unterdessen kommt ein Mitarbeiter von Abbott hinter das Komplott, vermutet allerdings nicht, dass Abbott der Drahtzieher ist. Er möchte ihm nämlich davon erzählen, und wird von Abbott abgestochen. Anschließend ruft Abbott in Russland an und macht Gretkov darauf aufmerksam, dass Bourne unbedingt getötet werden müsse, damit alles passt.

Boune sucht Abbott in seinem Hotelzimmer auf, bekommt das Telefonat mit Gretkov mit und bringt ihm zu einem Geständnis, das er auf Tonband festhält und Pamela Landy schickt. Landy sucht Abbott in seinem Hotelzimmer auf und wird Zeuge seines Selbstmordes. Das Tonband entlastet Bourne, natürlich wird trotzdem weiter nach ihm gesucht. Bourne fährt nach Moskau, um sich mit der Tochter von Neski zu konfrontieren. Da er polizeilich gesucht wird und seine Abreise nicht unentdeckt bleibt, wird auch Gretkov und sein Agent, der Marie getötet hat, auf ihn aufmerksam. In einer Verfolgungsjagd kommt der Agent ums Leben, und Gretkov wird verhaftet. Bourne entschuldigt sich quasi bei Neskis Tochter und erzählt ihr, wie ihre Eltern tatsächlich ums Leben gekommen sind.

Jetzt wird es mit der Kontinuität etwas schwierig, denn die Handlung des dritten Teils setzt genau hier ein, in Russland, nach diesem Gespräch. Die letzte Szene des zweiten Films freilich kommt im dritten Teil auch vor, allerdings ziemlich am Schluss, im letzten Drittel ungefähr. Pass auf, man sieht Bourne in New York mit Pamela Landy sprechen, er fragt, was los ist, wieso er immer noch gesucht wird, sie entschuldigt sich inoffiziell für alles und nennt ihm seinen echten Namen: David Webb. Er sagt am Schluss, sie solle sich ausruhen, sie sähe müde aus, dadurch wissen wir jetzt, dass er sie beobachtet und so weiter. Das müssen wir jetzt allerdings ein bisschen ausblenden, denn der dritte Teil beginnt – wie gesagt – bedeutend früher in der Handlung, nämlich noch in Russland.

Bourne flieht vor der Polizei in Russland, später fährt er nach Paris, um Maries Bruder mitzuteilen, dass sie ermordet wurde. Interessant wird es, als er plötzlich seinen Namen in der Zeitung liest. Ein britischer Journalist scheint Dinge über ihn zu wissen, die nicht einmal er weiß. Dieser Journalist hat eine Quelle innerhalb der CIA und weiß auch gewisse Dinge über das ominöse Programm „Blackbriar“. Zur Information: Blackbriar ist das Nachfolgeprogramm von Threadstone, quasi ein Upgrade. Schlicht und einfach ein inoffizielles Killerkommando der CIA. Und inoffiziell ist gleichbedeutend mit illegal. Leider erwähnt er das am Telefon, und durch dieses Stichwort wird natürlich die CIA, insbesondere der Blackbriar-Leiter Noah Vosen, auf ihn aufmerksam. So auch Bourne, der ihn kontaktiert und ihn in London in der „Waterloo Station“ treffen möchte. Selbstverständlich ist es Bourne nicht entgangen, dass der Journalist beschattet wird, und selbstverständlich entgeht es der CIA auch nicht, dass Bourne anwesend ist. Der Journalist will seine Quelle natürlich nicht preisgeben, und wird mitten in der Menschenmenge von einem Agenten exekutiert. Bourne nimmt seine Sachen an sich und kommt so auf Neil Daniels, Sektionschef in Madrid. Noah Vosen wird derweil Pamela Landy zugeteilt, da sie ja nach den Ereignissen der letzten Monate quasi eine Bourne-Spezialistin geworden ist. Auch sie kommen nach Durchsicht von den persönlichen Notizen des Journalisten auf Neil Daniels in Madrid.

Bourne findet in Madrid das Büro des Neil Daniels allerdings verlassen vor, sämtliche wichtigen Akten wurden entfernt. Nur kurz nach ihm trifft ein CIA – Team ein, das Bourne fachmännisch auseinander nimmt. Plötzlich taucht Nicky Parsons wieder auf, die ihm zur Flucht nach Algerien verhilft. Es stellt sich nämlich heraus, dass Bourne und Nicky einmal zusammen waren, zumindest solange, bis er sein Gedächtnis verlor. In Tangier finden sie sowohl Neil Daniels Standort heraus, aber auch, dass Noah Vosen bereits einen Agenten mit dessen Eliminierung beauftragt hat. Sie schaffen es zwar, ihn ausfindig zu machen, aber nicht, ihn aufzuhalten, also wird Neil Daniels getötet. Vosen, der dahinterkommt, dass Nicky quasi übergelaufen ist, beauftragt den Agenten mit der Hinrichtung von Bourne und Nicky, allerdings scheitert er daran und wird getötet. Nicky taucht unter, und Bourne findet die New Yorker Blackbirar-Adresse in den Überresten von Neil Daniels Aktenkoffer.

Bourne reist also nach New York und ruft Pamela Landy an – und das ist die Schlussszene des zweiten Filmes. Natürlich wird sein Anruf abgehört, und er macht sich mit ihr einen Treffpunkt aus. Alle Agenten, inklusive Noah Vosen, stürmen aus dem Haus und zu dem Treffpunkt, was Bourne die Möglichkeit gibt, in aller Ruhe sein Büro auszuräumen. (Das ist übrigens meine absolute Lieblingsszene!) Bourne entkommt den Agenten nur mit knapper Not nach einer nervenaufreibenden Verfolgungsjagd, und findet den Ort vor, an dem alles für ihn begann: die Ausbildungsstätte von Threadstone. Er trifft dort Pamela Landy und übergibt ihr alle Blackbriar- Dokumente aus Vosens Safe und konfrontiert anschließend seinen Ausbilder, um die ganze Wahrheit über sich selbst zu erfahren. Natürlich muss er gleich wieder fliehen, und stürzt vom Dach zehn Stockwerke tief in den East River. Keine Sorge, er überlebt. Noah Vosen wird wegen seiner illegalen Tätigkeiten natürlich am Ende verhaftet, und auch Nicky Parsons geht es soweit so gut.

Soviel zur Handlung! Liest überhaupt noch jemand? Hallo?

Falls es also jemanden noch interessiert, was ich zu diesen Filmen zu sagen habe: ich persönlich liebe sie. Die drei Bourne- Filme gehören zu meinen absoluten Lieblingsfilmen überhaupt, auch wenn es ein paar Sachen gibt, die mich etwas stören. Aber zunächst einmal zu den positiven Sachen.

Die Filme sind – für ihr Genre eher untypisch – relativ realistisch. Ich möchte meinen, sie werden von Film zu Film realistischer, und das finde ich gut. Schon klar, der alte, klapprige Mini hätte die Fahrt über die Treppen im ersten Teil niemals überlebt, aber die gesamte Verfolgungsjagd kam ohne eine einzige Explosion aus, und das trotz mehrerer Unfälle. Für Hollywood quasi eine Revolution, wo manchmal ein kleiner Parkunfall reicht, um ganze Straßenzüge in Schutt und Asche zu legen. Auch die „Todesszenen“, sprich die Szenen, in denen jemand stirbt, sind ziemlich realistisch gehalten – auch hier entwickelt es sich dann sogar noch besser von Film zu Film.

Weißt du, was ich hasse? Szenen, in denen Menschen sterben, und dann im Todeskampf noch irgendwelche weltbewegende Sätze röcheln. Zum Teil auch, weil ich bei Synchronisationen dann immer daran denken muss, dass da gerade ein Typ oder eine Frau in einem Studio vor einem Mikrophon steht und herumröchelt, und das finde ich dann meistens relativ komisch, was komplett konträr zur Situation im Film steht. Genauso wenig mag ich Szenen, in denen irgendjemand weint und spricht gleichzeitig, schluchzend, stammelnd, ganz einfach, weil es meistens (wiederum verstärkt in Synchronfassungen) falsch klingt. Fake. Deswegen bin ich ein großer Fan der Szene, relativ am Anfang von der „Bourne Verschwörung“, in der Marie, gespielt von der übrigens großartigen Franka Potente, erschossen wird. Sie ist einfach so verdammt realistisch und fühlt sich extrem echt an. Sie fahren im Jeep und unterhalten sich, Marie wird in den Kopf geschossen und sackt zusammen, der Jeep biegt von der Brücke in den Fluss ab und Bourne versucht sie noch zu retten, allerdings vergebens, weil sie längst tot ist.

Diese Szene ist ein Kunstwerk, denn sie ist realistisch, dramatisch, dadurch irrsinnig emotional und für mich die beste Todesszene einer Hauptfigur, die ich je gesehen habe. Jack Dawson, Titanic? Hate it! Marie Kreutz, Bourne Verschwörung? Love it!

Das bringt mich vielleicht gleich zu den Schauspielern: wer hätte vor 11 Jahren Matt Damon zugetraut, diese Rolle zu spielen? Vermutlich nicht einmal so mancher Filmproduzent, denn es waren für die Rolle des Jason Bourne auch Sylvester Stallone und Russel Crowe im Gespräch. Matt Damon ist eine Superbesetzung, vielleicht, weil man ihm anfangs noch nicht so richtig zutraut, was er kann, aber wenn er wie eine coole Sau auch schwierigste Situationen souverän löst, und das alles, obwohl er sich an nichts erinnern kann, wirklich großartig. Ich meine, die größeren Filme vor „Bourne“, in denen er mitgespielt hat, waren „Ocean’s eleven“, „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Der Soldat James Ryan“. Solide Rollen in guten Filmen, aber man wollte nicht vermuten, dass er Actionheld-Potential hat. Wobei Bourne ja kein Actionheld an sich ist, andererseits ist er permanent in Action verwickelt, aber ich denke, du weißt schon, was ich meine.

Weißt du, was für mich ein guter Schauspieler ist? Ein Schauspieler, den ich in verschiedenen Filmen sehe ohne an eine andere Rolle zu denken als die, die er gerade darstellt. Ein Beispiel: Arnold Schwarzenegger kann von mir aus spielen, was er will, aber er wird immer der Terminator sein. Liegt aber auch daran, dass er permanent seine peinliche „I’ll be back“ – Catchphrase vom Stapel lässt. Tom Hanks hingegen ist so ein Schauspieler, der es in meinen Augen immer voll drauf hat, in seinen Rollen aufzugehen. Bei „Cast away“ dachte ich kein einziges Mal an Forrest Gump, und bei „Der Soldat James Ryan“ nie an Philadelphia. Als ich mir gerade für Recherchezwecke die Filmographie von Matt Damon angeschaut habe, war ich überrascht, wie viele Filme, die ich gut finde, er gemacht hat! Und bei „Departed“ hab ich ebensowenig an Bourne gedacht wie bei „Ocean’s thirteen“ an „Mut zur Wahrheit“. Man könnte also annehmen, ich halte Matt Damon für einen guten Schauspieler!

Was mir an den Filmen außerdem gut gefällt, sind die Frauenfiguren, die da auftauchen. Franka Potente ist großartig in allem, was sie macht, und das ist für meinen Geschmack zu wenig in letzter Zeit – ich bin seit „Lola rennt“ ein großer Franka Potente Fan. Und Tom Tykwer Fan. Auch Moritz Bleibtreu war ziemlich cool, aber in „Knockin’ on heaven’s door“ hat er mir besser gefallen. Til Schweiger übrigens auch, da kommt jetzt ohnehin ein neuer Film raus von und mit Til Schweiger namens „Schutzengel“. So wie ich das sehe, nachdem ich den Trailer gesehen habe, der gleiche Film wie „Kokowäääh“ nur mit Mafia und Schusswaffen. Aber ich schweife ab.

Ich liebe Julia Stiles – sie ist meiner Meinung nach nicht nur eine äußerst brauchbare Schauspielerin, aber auch unglaublich hübsch. In der fünften „Dexter“ – Staffel, die ganz großartig ist, hat sie eine größere Rolle, und ausgesprochen gut gespielt. Aber auch in den Bourne- Filmen war sie keine Enttäuschung, wenn auch Erscheinen im dritten Film etwas an den Haaren herbeigezogen war. Gut, taucht sie halt unverhofft in Madrid auf, aber denken wir doch kurz daran, wie sie auseinandergegangen sind, nachdem sie sich das letzte Mal gesehen haben: es war in Berlin, Bourne hat sie verhört, mit einer Waffe bedroht und gedroht, sie umzubringen, und hat sie dann mit einem halben Nervenzusammenbruch weinend in einem alten Luftschutzkeller oder U-Bahn Nebenraum oder sonst etwas zurückgelassen und ist verschwunden, und jetzt verhilft sie ihm äußerst bereitwillig zur Flucht, und das wird dann damit begründet, dass sie zusammen waren, bevor Bourne sein Gedächtnis verloren hat? Zumindest wird das angedeutet. Naja, meiner Meinung nach passt das irgendwie nicht, aber ich denke, Julia Stiles hatte nun einmal einen Vertrag für drei Filme und der Screenwriter musste sie irgendwie einbauen; also wurde es auch so gelöst. Ich hätte es logischer gefunden, wenn Pamela Landy sie wieder in ihren Stab geholt hätte, quasi als Threadstone- Insiderin, um sie bei der Suche nach Bourne zu unterstützen, und Pamela Landy war ja auch mehr darauf aus, Bourne zu helfen als ihn zu töten, also hätten sie sich sogar verbünden können und Pamela Landy hätte dann gesagt, so etwas wie, ich hab den Tipp das Bourne nach Madrid will, vielleicht kannst du ihn kontaktieren bevor er in Schwierigkeiten gerät, oder noch besser, Bourne hätte Nicky dann in New York kontaktiert oder was weiß ich, so ist sie eben als Deus Ex Machina aufgetaucht, dramaturgisch sicherlich völlig ok, aber rein logisch gesehen eher ding.

Kommen wir dann vielleicht zur Regie! Der Regisseur der Bourne Identität war Doug Liman, und er hat seine Sache wirklich gut gemacht. Einzig die Szene am Schluss nervt mich jedes Mal, wenn ich sie sehe. Ich meine die Szene, wo Bourne im Stiegenhaus der Threadstone- Wohnung auf der Leiche eines Agenten runterspringt und im Vorbeiflug einen weiteren Agenten erschießt. Erstens: unrealistisch, und das ist schade. Zweitens, der special Effekt hat ziemlich billig ausgeschaut, irgendwie schreit das so richtig „Hey, ich bin vor dem Bluescreen gefilmt worden und dann nachträglich ins Bild geschnitten worden!“ Aber das war halt vor 10 Jahren, damals waren die Effekte noch nicht so berauschend, nicht wahr?

Ab dem zweiten Film war Paul Greengrass an der Reihe, und jetzt kommt das Thema, über das sich vortrefflich streiten kann: die sogenannte „Shaky Camera“, Wackelkamera. Und ultraschnelle Schnitte. Ich sags gleich, ich bin kein Fan davon. Ich akzeptiere es, weil Bourne ohne diesem Style nicht dasselbe wäre. Zwar ist der erste Teil weitgehend ohne verwackelten Bildern und einer durchschnittlichen Schnittdauer von nur zwei Sekunden ausgekommen und war trotzdem ein sehr brauchbarer Film, aber man muss sich eingestehen, dass die Art und Weise, wie die anderen beiden Filme gedreht worden sind der Filmreihe einen gewissen Stempel aufgedrückt haben.

Aber hier einmal ein Beispiel: Die Szene, wo Bourne im dritten Teil den Audi rückwärts vom Dach fährt. Mir ist klar, dass der schnelle Schnitt hier sinngemäß Hektik und Stress implizieren soll, aber muss in der kurzen Zeit, die das Auto braucht, um vom Dach auf den Autos darunter aufzuschlagen, ungefähr acht mal geschnitten werden? Ich weiß nicht, so ganz meins ist es wirklich nicht. Es wird ja dankenswerterweise völlig auf Zeitlupe und unnötige Explosionen verzichtet, aber das zu hektische, zu schnelle und zu verwackelte Bild lässt mich teilweise aussteigen, weil ich keine Ahnung hab, was da eigentlich gerade passiert. Naja, also ich weiß schon was passiert, aber es ist einfach extrem schwer, dem Geschehen im Film zu folgen. Kampfszenen sind zum Beispiel teilweise bis zur völligen Unkenntlichkeit verwackelt, und das ist schade, weil die Kampfszenen verdammt cool sind! Vielleicht werden diese Stilmittel auch eingesetzt, damit ich weiß, dass ich jetzt nervös und aufgeregt sein sollte, denn Bourne wird verfolgt und jetzt wackelt das Bild und alle halben Sekunden ist ein Schnitt, oh mein Gott, das ist nicht meins! Ich schaue mir Filme lieber in einer chilligen Atmosphäre an und erfreue mich an guten Produktionen.

Bevor ich übrigens jede Menge wütende Mails von Filmspezialisten bekomme: nein, ich bin nicht der Meinung, dass man Bourne so filmen kann wie „Straight Story“ und „The Big Lebowski“, aber – bei diesen Filmen macht der Schnitt die Musik. Ich bin absolut dafür, dass man Actionszenen wie bei Bourne kurz schneiden kann, 1,9 Sekunden pro Schnitt, wunderbar, von mir aus! Aber wenn dann der Schnitt so extrem kurz ist und überdies noch völlig verwackelt, bin ich nicht so begeistert.

Hier und hier finden sich zu diesem Thema recht interessante Artikel.

Nun erscheint also nächste Woche bei uns der vierte Bourne. Natürlich habe ich schon einige Kritiken vernommen, immerhin bin ich weder taub noch blind, und muss sagen, dass so ziemlich keine einzige davon besonders gut war. Auf rottentomatoes.com kommt der Film auf 56%, und auch sonst habe ich nicht besonders viel Gutes gehört. Zunächst einmal spielt Matt Damon nicht mehr mit. Hat es so gesehen dann überhaupt noch Sinn, einen Bourne zu produzieren? Wenn auch Matt Damon nicht abgeneigt gewesen wäre, solange Paul Greengrass wieder Regie geführt hätte.

Zum Glück hat er’s nicht. Wer braucht denn wirklich noch einen Bourne? Ist es wirklich notwendig? Die Geschichte ist abgeschlossen und erzählt. Geht uns denn noch wirklich irgendetwas ab? Ich möchte jetzt nichts vorgreifen, bevor ich den Film nicht selbst gesehen habe, aber der Film hat an sich nichts mehr mit Bourne zu tun. Wie denn auch, ohne Matt Damon. Edward Norton spielt allerdings mit, und als ich mich noch nicht so ausgekannt habe, habe ich die beiden manchmal verwechselt. Vielleicht durch das Milchbubihafte. Naja.

Ich bin jedenfalls gespannt, was mich erwartet, vielleicht seid ihr es auch, ich hoffe jedenfalls vor allem, dass der Film zumindest auf den bisherigen drei beruht und sich in der Kontinuität einfügt. Sonst hätt ich das alles völlig umsonst geschrieben. :) Bis bald!


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