Against Dubbing

Review: Taken 2

Für alle, die heute keine Zeit haben, meinen endlosen Monolog durchzulesen, hier gleich das Fazit: der Film ist ein Scheiß, Finger weg. Diese 91 Minuten kann man wirklich besser verbringen, als diesen Film zu sehen. Geht zum Beispiel in einen anderen Film. Oder schaut euch ein paar interessante Reviews an und lernt dabei etwas über andere Filme. Aber Taken 2 ist absolut nicht empfehlenswert.

Für alle, die ein wenig mehr Zeit haben, hier meine Begründung, wieso der Film reine Zeitverschwendung ist.

1.: Hollywood.

Zwei Dinge, die in diese Kategorie fallen, sind mir besonders negativ aufgefallen: erstens einmal der von Rade Šerbedžija gespielte Charakter, nämlich der Chef der albanischen Mafiaorganisation, der Liam Neeson Rache schwört für das Massaker, welches er in Paris angerichtet hat. Er spricht nämlich mit seinen Freunden und Kollegen in Albanien die ganze Zeit englisch. Klingt komisch, ist aber so. In einer Zeit nach Inglorious Basterds, der über weite Strecken auf deutsch und französisch funktioniert, mit Untertiteln, muss trotzdem immer noch ein albanischer Gangsterboss in Albanien mit seinen albanischen Kollegen englisch sprechen. Natürlich mit entsprechendem Akzent, damit man doch noch mitbekommt, dass er kein native speaker ist. Man möchte meinen, dass man vielleicht in Albanien einen brauchbaren, älteren Schauspieler finden hätte können, der diese Parts auch überzeugend sprechen kann. Egal.

Und dann, natürlich, das ewig leidige Thema. Hollywood! Das wunderbare Hollywood, das Filme nicht produziert um eine gewisse Geschichte mittels dem Medium “Film” zum Ausdruck zu bringen, sondern um Geld zu produzieren. Also ist der Film, garantiert um ihn einer breiteren Publikumsmasse zugänglich machen zu können, in den USA PG-13 gerated. Das bedeutet: so gut wie kein Blut ist zu sehen. Wieder läuft Liam Neeson durch eine europäische Stadt, diesmal Istanbul, Amok, und es ist eine sterile, dumme, langweilige, unfreiwillig komische Angelegenheit. Er schießt zum Beispiel einem Typen durch ein Einschussloch in einer Wand ins Auge und verdammt noch einmal, nichts! Es spritzt nichts, ja man sieht in Wahrheit kaum das Resultat von diesem Schuss! Gerade mal angedeutet wird es. Zum Teufel, ich hab mir gestern ein paar Folgen von “The Mentalist” angeschaut und da mehr Blut gesehen als in diesem Actionfilm! Und “The Mentalist” sieht sich sogar meine 11jährige Nichte an. Deswegen auch unverständlich, wieso der Film hierzulande FSK 16 freigegeben ist. Ich könnte, wenn ich mir so einen Film im Kino anschaue, ruhig einmal ein bisschen Blut vertragen, aber das war einfach nur langweilig.

Der erste Teil war übrigens auch PG-13 und FSK 16, und da war jetzt auch nicht so viel Blut in Strömen geflossen. Aber es gab eine handfeste Folterszene, und die Charaktere waren auch glaubwürdig. Das bringt mich übrigens gleich zum zweiten Punkt.

2. Die Charaktere

Im ersten Film wurden die Charaktere eingeführt, und daran wurde dann nicht gerüttelt. Denn wenn wir in der ersten Phase eines Films einmal die Charaktere kennenlernen, und dann verändern die sich plötzlich, ist das ein Schas. Wir lernten Liam Neeson kennen, den überbesorgten Vater, der früher ein CIA Topagent war, seine Teenagertochter, die sich ein bisschen ausleben möchte, und die Mutter, die der Tochter alle Freiheiten geben möchte. Die Mutter hat einen neuen Ehemann, einen absoluten Schnösel-Bonzen, der den Vater mit teuren Geschenken aussticht. Dann fliegt die Tochter trotz der Bedenken von Liam Neeson nach Paris, und wird entführt. Die Mutter und ihr neuer Mann natürlich in großer Aufregung, Liam Neeson, der natürlich befürchtet hat, dass so etwas passiert, und deswegen dagegen war, fliegt hin, findet sie und bringt zwischendurch alle um, egal ob Bösewicht, korrupter Polizist oder Gegenagent. Und Liam Neeson spielte die emotionsgetriebene Tötungsmaschine so verdammt gut, hat bei der Ermittlung ein bisschen einen Witz und ist so ein abgebrühter Typ, dass der Film alleine davon leben kann.

Schauen wir uns jetzt die Charaktere im zweiten Film an: Liam Neeson ist der Gleiche wie im ersten Film, die Mutter trennt sich gerade von ihrem Schnöselbonzen und die Tochter hat die Entführung in Paris, verbunden mit dem Tod ihrer Freundin und vermutlicher Massenvergewaltigung hervorragend verarbeitet, sodass sie zwar wieder einen Freund haben kann, aber offenbar zu nervös ist, um die Führerscheinprüfung zu bestehen. Hm. Liam Neeson immer noch total übervorsichtig und alles, stalked ihren Freund und macht alles, was ein guter Vater eben so macht.

Dann bekommt er einen Job in Istanbul, Exfrau und Tochter besuchen ihn und dann – heiliger Strohsack! – werden er und die Ex von den Albanern entführt. Und Liam Neeson hält es für eine verdammt gute Idee, seiner Tochter zu erlauben, ihm zu helfen. Bewaffnet. In Istanbul. Alleine. Ohne Militär-taktischer Erfahrung oder Kampfausbildung. Ganz der besorgte Vater! Und das allerbeste – ich hätte im Kino beinahe gebrüllt vor lauter Lachen – sie finden den Standort des Vaters so raus, indem die Tochter Granaten aus dem Hotelzimmer wirft und der Vater schaut, wie lange es dauert, bis er den Knall hört, da wo er ist. Kein Scheiß! Die Tochter wirft einfach mit Granaten um sich, und Liam Neeson sagt dann so etwas wie “Ich bin etwa 3 km entfernt” verdammt noch einmal, war einer von euch schon einmal in Istanbul?! Du wirst dort keinen einzigen Briefkasten oder öffentlichen Müllkübel finden, weil sie dort Angst haben, dass man in solchen Einrichtungen Bomben deponieren kannst. Wenn du dort mit Granaten um dich wirfst, überlebst du keine 10 Minuten, das kommt einem terroristischen Angriff gleich – wenn ichs mir recht überlege, ist das ein terroristischer Angriff!

Aber mittels dieser völlig verblödeten Methode findet die Tochter den Vater, die Mutter wird derweil gefoltert, Vater und Tochter treffen sich, und er lässt die Mutter alleine im Gefängnis der Terroristen zurück. Tochter fragt: “Wo ist Mutter?” Vater antwortet “Sie ist in Sicherheit.” OK! Lassen wir die Mutter einfach da zurück, wo die Terroristen sie gefangen halten, da ist sie nämlich am Sichersten. Das ist natürlich ein 1-A- Vorschlag. Aus völlig verblödeten Gründen kommt es dann zu einer Verfolgungsjagd, und natürlich fährt die Tochter, die keinen Führerschein hat, mit einem Mercedes mit Schaltgetriebe mit sicher 100 Sachen durch die engen, steilen Gassen von Istanbul, und sie fährt besser als “The Stig“. Das Mädchen ohne Führerschein aus den Vereinigten Staaten, wo man ja quasi nur mit Automatik fährt. Jaja. So viel Zeit verschwendet, um klarzustellen, dass sie keinen Führerschein hat, weil sie nicht einparken kann, aber halsbrecherisch durch Istanbul hetzen ist natürlich eine ganz andere Sache. Und weil wir gerade so realistisch sind, rasen sie in die amerikanische Botschaft, die das herandüsende Auto mit einem Maschinengewehr unter Beschuss nehmen. Mm-hm. Freilich überleben die Beiden das auch. Und rasen durch das Pförtnerhäuschen, und als sie dann im Innenhof der amerikanische Botschaft zum Stehen kommen, können sie noch mehrere Minuten irgendeinen lächerlichen Dialog führen. Ich versprech dir eins: rase mal mit einem gestohlenen Taxi durch ein Pförtnerhäuschen in eine amerikanische Botschaft, du bleibst keine zwei Sekunden im Auto sitzen, da wirst du rausgezerrt, so schnell kannst du gar nicht schauen, und verhört, weil das gilt vermutlich als Angriff auf amerikanischen Grund und Boden, und schon bist du in Guantanamo.

3. Das Ende

In der nächsten Szene rennt Liam Neeson völlig unbehelligt durch Istanbul, freilich bewaffnet, und sucht seine Frau. Und findet sie auch, dann gibts noch einen Fight, dann wird der Endgegner getötet, obwohl er das gar nicht wollte, weil er will, das “das Ganze” endlich aufhört (das wollte ich übrigens dann schon auch), und ehe es zu einem Höhepunkt kommt, ist der Film aus. Ja, kein Höhepunkt. Im ganzen Film nicht. Am Anfang dauert es, um alles an seinen Platz zu bringen, die Charaktere werden eingeführt und in Szene gesetzt, im Endeffekt ist eh alles für die Katz’. Ich war schwer enttäuscht, weil ich den ersten Film wirklich wirklich wirklich gern mochte. Und ich war schwer enttäuscht, weil ich von Luc Besson viel gehalten habe. Vor 10 Jahren waren gleich zwei meiner Lieblingsfilme von ihm: Léon (The Professional) und The Fifth Element haben mich in meinen jungen Jahren sehr fasziniert. Bei The Fifth Element vor allem der Soundtrack und das Bühnen- und Kostümbild. Aber seitdem sehe ich ihn nur noch im Vorspann, wenn eine große Enttäuschung auf der Leinwand folgt. Seine letzten Werke als Regisseur habe ich nicht mehr verfolgt, und die Filme, die von ihm produziert werden, sind schlechte, klischeebeladene Actionfilme wie Transporter 2-4, From Paris With Love und nun Taken 2. Um fair zu bleiben, der erste Teil war wirklich gut und wurde auch von ihm produziert… aber das ist nur eines von vielen seiner Projekte in den letzten Jahren, die mich überzeugt haben.

Was lernen wir aus dem Film? Er schreit quasi die Parole: “Amerikaner! Bleibt daheim! Im unzivilisierten Europa ist es zu unsicher, da entführt man eure Töchter und vergewaltigt eure Frauen!”

Mehr bleibt eigentlich nicht mehr zu sagen! Es war eine große Enttäuschung, vor allem, nachdem ich im Vorfeld viel Gutes über den Film gehört habe. Liam Neeson hat sich positiv über Drehbuch und Produktion geäußert, und der Film spielt immerhin in Istanbul! Wie der neue Bond, den ich mir in 10 Tagen endlich anschauen kann und der hoffentlich deutlich besser ist. Nochmals: Finger weg von Taken 2. Er ist die Zeit wirklich nicht wert.


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