Against Dubbing

Review: Skyfall

Skyfall ist der 23. James Bond Film von EON Productions, der dritte Bond mit Daniel Craig in der Hauptrolle und erschien 50 Jahre nach dem ersten Film mit Sean Connery, “Dr. No”.   Kurz und knapp, und ohne Spoiler: Der Film ist gut, nicht der beste Bond aller Zeiten, aber durchaus cool und wirklich gekonnt inszeniert. Ich fand halt, dass er sich teilweise nicht wirklich wie ein Bond angefühlt hat. Daniel Craig war gut, Judy Dench sowieso, Javier Bardem einfach genial, Ralph Finnes spielte unter seinem Niveau, war aber auch gewohnt gut, Naomi Harris war gut, Bérénice Marlohe war zwar merkwürdig in Szene gesetzt aber als Bond Girl durchaus brauchbar. Ben Whishaw war als neuer “Q” auch wirklich gut, also die gesamte Besetzung hat wirklich einen sehr sehr guten Job gemacht. Das Problem, das ich mit dem Film habe, liegt auf einer ganz anderen Ebene; darauf gehe ich jetzt detailliert ein. Achtung, jetzt geht das fröhliche Spoilern los!

Der Film beginnt für mich enttäuschend ohne “Gun Barrel Sequence“. Ja, nennt mich altmodisch und unzugänglich für Neues, aber ein Bond beginnt für mich mit dem Schuss ins Publikum, das gehört zum Feeling dazu. So wird man ohne der berühmten Sequenz, die der Kick-Off für 20 Bond Filme war, direkt ins Geschehen gestoßen. Bond, auf einer Mission in Istanbul, verfolgt einen Auftragskiller, der die Festplatte mit Informationen über NATO-Agenten auf der ganzen Welt gestohlen hat. Die Verfolgungsjagd findet ihren Höhepunkt auf einem Zug, und ich kann mich nicht klarer ausdrücken: SPOILER!!, schließlich befiehlt M Moneypenny (Naomi Harris), einen Schuss zu riskieren, doch sie trifft Bond und er stürzt von der Brücke und wird für tot gehalten. Moneypenny? Ja richtig, das kommt aber erst am Ende des Filmes raus.

Während Bond tot ist, wird es für M etwas ungemütlich, und man legt ihr den Rücktritt nahe. Sie weigert sich natürlich, den MI6 mitten in der größten Krise zu verlassen. Leider wird dann ihr Computer gehackt sie entgeht knapp einem Bombenanschlag. Das taucht natürlich auch im Fernsehen auf, und Bond, der irgendwo an einem einsamen Strand mit schönen Frauen schläft und sich dem Alkohol hingibt, bekommt das ebenfalls mit. Inzwischen müssen einige Monate vergangen sein. Bond kehrt zurück und konfrontiert M bei ihr daheim, dass sie ihn quasi erschießen hat lassen. Aber dass M eine Hardlinierin ist, wissen wir schon seit “GoldenEye”.

Bond ist also wieder da und muss sich einer gründlichen Prüfung unterziehen, ob er wieder tauglich ist für den Einsatz. Natürlich ist er es nicht, aber M nimmt ihn trotzdem wieder auf und schickt ihn nach Shanghai, dort ist nämlich der Auftragskiller, mit dem Bond in Istanbul zu tun hatte. Bond soll herausfinden, für wen er arbeitet, er wird Zeuge eines Attentates und kann ihn im Kampf überwältigen. Diese Kampfszene ist übrigens wunderbar und kreativ inszeniert! Leider stürzt der Attentäter zu Tode, bevor er Bond den Auftragsgeber preisgeben kann. Bei der Durchsicht seiner Sachen findet er einen Casinochip, der ihn nach Macao bringt. In Austausch für den Chip erhält er vier Millionen Euro und konfrontiert Sévérine, die ihn in Shanghai gesehen hat. Sie warnt ihn, dass er getötet werden soll, aber verspricht ihm zu helfen, falls er überlebt. Natürlich überlebt er und geht mit ihr auf eine Schifffahrt auf eine verlassene Insel, wo er auf Silva trifft.

Für mich ist das der Höhepunkt des Filmes, denn Javier Bardem ist einfach brillant. Ich glaube nicht, jemals so eine schlichtweg geile Performance von einem Bond-Gegenspieler gesehen zu haben! Ich will da wirklich nicht ins Detail gehen, denn das muss man einfach selbst gesehen haben. Als ich den Trailer gesehen habe, war meine Befürchtung, dass sich die Dialoge allgemein nur auf Actionfilm-Einzeiler beschränken. (“Mommy was very bad.” “What’s your hobby?” “Ressurection.”) Ist aber nicht so! Das Drehbuch ist witzig, pointiert und intelligent, es hat wirklich Spaß gemacht, zuzusehen.

Bond kann Silva überwältigen und er wird nach England überstellt. Er trifft auf M, die er tot sehen möchte. Silva war nämlich einmal ein MI6 Agent, wurde allerdings von M fallen gelassen, als er in chinesische Gefangenschaft geriet. So wurde er über Jahre gefoltert und eingesperrt, und das nimmt er ihr jetzt ein bisschen übel. Bond und Q versuchen derweil, das ausgeklügelte Computersystem von Silva zu hacken, und machen dabei den Fehler, eine Verbindung zu dem MI6 Servern herzustellen, denn plötzlich gehen überall die Türen auf, so auch in der Isolationszelle von Silva. Er flieht und sucht, als Polizist verkleidet, die ministeriale Anhörung auf, in der M gerade Rede und Antwort stehen muss, wegen den verlorenen Daten und der Tatsache, dass die Organisation von Silva permanent die Identität von Undercover Agenten im Internet veröffentlicht, was zu der Tötung derselben führte. Und während M sich gerade verteidigt, stürmt Silva mit Gefährten den Raum und schießt um sich. Tanner kann M gerade noch aus der Schusslinie ziehen, und Bond taucht auch rechtzeitig auf, um Silva zu verjagen. Ja, Silva verschwindet wieder, und das ist der Punkt, wo der Film dann etwas, auf gut österreichisch, “zach” (=zäh) wird.

Wäre das ein normaler Bond, käme jetzt irgendwo der Schlusshöhepunkt, die finale Konfrontation, wo Bond zum Bösewichten geht und ihn in einem Gefecht tötet, und am Ende würde er mit irgendeiner Frau im Bett landen. Oder, wie in den letzten beiden Filmen, er tötet den Bösewicht und findet Absolution oder sonst etwas.

In Skyfall jedoch beschließt Bond, sich mit M nach Schottland zurückzuziehen, wo das Haus seiner Eltern steht. Q soll eine Reihe von Hinweisen legen, die Silva dorthin führen, damit sie ihn dann konfrontieren können. Und damit es irgendwie lächerlich wird, fahren sie mit dem Aston Martin DB5 aus “Goldfinger” hin, mit dem Schleudersitz und dem Maschinengewehren in der Stoßstange.

Warum? In “Casino Royal” gewinnt Bond den Aston Martin DB5 von Dimitrios beim Pokern, und verwendet ihn dann quasi als privates Auto. Hatte Dimitrios den Wagen aus “Goldfinger”? Hat Bond den Wagen nachher umbauen lassen? “Goldfinger” kam 1964 in die Kinos, 4 Jahre, bevor Daniel Craig geboren wurde. Sollen wir also glauben, dass der “Bond” aus “Goldfinger” der gleiche wie in “Skyfall” war, siehst du, jetzt wird es verwirrend.

Seit Daniel Craig 2006 “Bond” übernommen hatte, war es eine komplett neue Serie. Elemente aus vorherigen Filmen hineinzuschustern, ist irgendwie komisch, denn 2006 bekam Bond den “Double-0-Status” und hat dann aber Equipment aus den 60ern, naja.

Genausowenig sollte man den Fehler machen, “Bonds” miteinander zu vergleichen, weil jeder Darsteller ihn anders interpretierte. Ich mag die Rankings nicht, wer der beste Bond war, das wäre so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen, und abgesehen davon hat sich in den 50 Jahren in der Filmgeschichte einiges verändert. Ein Roger Moore hätte heute möglicherweise weniger Erfolg, da seine Leistung zu wenig agil war, aber in die 70er Jahre hat er mit seinem “Schmäh”, seiner Ironie und seinem Charme perfekt hineingepasst. Und wenn ich meinem 10 jährigem Neffen “Goldfinger” zeige, einen der besten Bonds überhaupt, findet er ihn maximal langweilig. Na vielleicht ist er auch noch zu jung. Aber so ändern sich die Zeiten, und epochenübergreifende Elemente in den neuen Filmen einzubauen, nur weil wir das 50jährige Jubiläum der Bond-Filme feiern, ist nicht richtig.

Außerdem war die Inszenierung des Aston Martins ein bisschen zu effekthaschend. Mir hat das nicht gefallen. In Schottland präparieren Bond, M und der Hausmeister des Anwesens namens “Skyfall” das Haus mit Sprengfallen und anderen Dingen, und als Silva mit Hubschrauberunterstützung auftaucht, erleben die ihr blaues Wunder, als Bond mit den Aston Martin Maschinengewehren herumballert. Nochmals, wie kommt das Auto in Besitz von Bond?! Egal.

M wird während des Gefechts getroffen und flieht mit dem Hausmeister durch einen Unterirdischen Gang, während Bond mittels einer Explosion den Hubschrauber zum Absturz bringt, was eine noch größere Explosion zur Folge hat. Silva überlebt und verfolgt M zum Versteck, wo er sie und sich töten möchte, aber Bond kommt dem zuvor und tötet Silva. Anschließend stirbt M in seinen Armen. Ja, M stirbt, schöner Scheiß. Judy Dench wird in keinem Bond mehr mitspielen. Verflucht! M! Musste sie wirklich sterben? Ich weiß nicht. Ich meine, sie hätte ja einfach in Pension gehen können und in weiteren Bonds immer wieder kurz auftauchen so als Sidekick, aber jetzt ist sie tot.

Das ist dann das Ende, am Ende sagt Moneypenny, dass sie sich vom aktiven Dienst zurückzieht und einen Schreibtischjob annimmt (und erst dann erfährt man, dass sie “Moneypenny” heißt), Ralph Fiennes, der im ganzen Film zwar permanent da war aber nie eine entscheidende Rolle übernommen hat, wird der neue “M”, und am Ende des Filmes ist es irgendwie wie früher: Bond flirtet mit Moneypenny und geht durch den Vorraum in Ms Büro, wo es hört, dass es “viel zu tun gibt”, und das ist das Ende. Wunderbar.

Also wie gesagt, ein guter Film, nicht der beste, aber brillant inszeniert, am Ende hatte er seine Längen und man braucht bei 143 Minuten wirklich gutes Sitzfleisch, und das zwanghafte Einbinden von alten Bond-Artefakten war einfach nicht der Kontinuität der “neuen” Bonds entsprechend. Gut gefallen hat mir, dass Bond diesmal wirklich Mühe hatte, mitzuhalten, er wurde als schwächerer Charakter eingeführt, der nicht auf dem Höhepunkt seiner körperlichen Fähigkeiten und schöpferischen Schaffens ist, sondern sich erst langsam herantastet und sich extrem anstrengen muss. Und das wurde den ganzen Film über durchgezogen, und das war gut! Schon des öfteren wurde versucht, Bond verletzlicher zu machen, das wurde aber nie konsequent durchgezogen – weder in “The World Is Not Enough”, wo er am Anfang eine Schulterverletzung davonträgt, die zwar nachher erwähnt wird, ihn aber nie wirklich einschränkt, noch in “Die Another Day”, wo er zwar am Anfang in Nordkoreanische Gefangenschaft gerät und jahrelang gefoltert wird, aber ohne jedes Training oder sonstigen Schmähs wieder volley in den Dienst eintritt. Ah, ich korrigiere, es gab sehr wohl eine Trainingssequenz, wo er auf Hologramme schießt. Naja.

Am Anfang meinte ich, dass der Film sich nicht wirklich wie ein Bond anfühlte. Nun, meine geliebte “Gun Barrel Sequence” ist einmal dahin, und muss nun am Ende des Filmes sein Dasein fristen. Das Drehbuch war überraschend pointiert und teilweise witzig, und das zum ersten Mal seit Daniel Craig die Bond – Performance übernimmt, vielleicht muss ich mich erst daran gewöhnen. Und dann diese “Überinszenierung” des Aston Martin DB5 – das war irgendwie lächerlich. Er kam ins Bild und sofort hörte man den Beginn des Bond-Theme, effekthaschend und “too much”. Und als Silvas Helikopter den Wagen unter Beschuss nimmt und zerstört, sofort Schnitt auf Bonds Gesicht, und er ist SAUER!! Verdammt, früher war es Bond immer relativ egal, wenn seine Autos verschlissen wurden, und jetzt eine emotionale Bindung zu einem Auto herzustellen, das er gar nicht haben sollte… Komisch.

In Wahrheit waren das die einzigen Dinge, die mich gestört haben, ansonsten kann ich den Film wirklich weiterempfehlen. Schaut ihn euch an, ich bin mit gemischten Erwartungen ins Kino gegangen, manche Erwartungen wurden übertroffen, andere erfüllt, aber enttäuscht war ich kaum.

Ein Wort zur Regie: Ich hatte das Gefühl, dass Sam Mendes von überschnellen Schnitten, hektischen Kamerafahrten und verwackelten Actionbildern Abstand genommen hat, und das war nicht schlecht! Es wirkte auf mich am Anfang nur ein bisschen langsam. Vielleicht, weil ich mich bei den modernen Actionfilmen schon zu sehr daran gewöhnt habe, dass man in Wahrheit kaum etwas von den Actionsequenzen erkennen kann. Aber Sam Mendes hat das wirklich gut gemacht, meine Lieblingsszene ist der Kampf im Hochhaus in Shanghai, weil sie originell und kreativ umgesetzt wurde.

Also noch einmal, meine Empfehlung habt ihr: viel Spaß!


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