Against Dubbing

Review: Django Unchained

Am Samstag habe ich es endlich wieder einmal ins Kino geschafft und mir Quentin Tarantinos neuen Film angesehen. Zeit, einmal zum Film ein bisschen Stellung zu nehmen, immerhin wurde im Vorfeld sehr viel zu dem Thema diskutiert.

1. Länge des Films

Der Film dauert knapp drei Stunden. Es war nie langweilig, aber am Ende war ich doch froh, wieder aufstehen zu können.

2. Brutalität

Tarantino macht Filme für Erwachsene, und das liebe ich auch an ihm. Wenn in seinen Filmen Menschen getötet werden, spritzt das Blut herum und es wird geschrien und es passiert was. Anders als in der Vielzahl an PG-13 Filmen, die in den letzten Jahren erscheinen, meistens wird auf Druck der Produzenten der Film so geschnitten, dass er jugendtauglich ist, um ein breiteres Kinopublikum zu erreichen (zB. Indiana Jones, Taken etc.), das hat Tarantino eindeutig nicht nötig. Film ist nun einmal ein visuelles Medium, also will ich auch Dinge sehen, wenn ich mir einen Film anschaue. Werden Dinge nur angedeutet, die man ruhig zeigen könnte (in Taken 2 wird einem Typen durch ein Einschussloch in der Türe direkt ins Auge geschossen und da fließt kein Blut, tatsächlich wird von dieser Tätigkeit weggeschnitten), fühle ich mich ein bisschen bevormundet und betrogen.  Aber ich bin ja auch schon erwachsen.

Während des Filmes konnte ich gut nachvollziehen, wieso die Premiere abgesagt wurde, aus Respekt gegenüber der Opfer des jüngsten Amoklaufes an einer amerikanischen Schule. Es gibt eine Schießerei im Film, die durchaus Assoziationen hervorrufen könnte, außerdem sind die Gewaltdarstellungen teilweise völlig surreal und comichaft dargestellt. Beispielsweise erschießt Jamie Foxx eine Frau, und sie wird richtig von den Füßen gerissen und verschwindet im Off. Oder er geht hinter einem angeschossenen Mann in Deckung, der immer und immer wieder von Kugeln getroffen wird, da spritzt dann natürlich das Blut herum, und mit einem Amoklauf an einer Schule mit toten Kindern im Hinterkopf ist das natürlich keine komische, sondern eher eine tragische Situation.

Aber habt ihr die digital eingefügten Blutspritzer nicht auch satt? In “Live Free Or Die Hard”, sprich “Stirb Langsam 4.0”, wird die Antigonistin von Bruce Willis quasi von einem Geländewagen zerquetscht, und abgesehen davon, dass sie davon völlig unbeeindruckt ist, fließt kaum ein Tropfen Blut. PG13 eben. Ich weiß ja, dass das ein umstrittenes Thema ist mit der Altersfreigabe, aber diese Art der Bevormundung ist doch ziemlich lästig.

3. Das “N”-Wort

Die Sklaverei ist und war kein Ponyhof. Der Film spielt in der Zeit vor dem Bürgerkrieg. So wie ich es als halbwegs geschichtsinteressierter Mann beurteilen kann, war alles wirklich autenthisch dargestellt. Die Literatur wird ja heutzutage zensiert – Bücher wie “Hucklyberry Finn” oder “Tom Sawyer” werden nachbearbeitet, um das Wort “Nigger” zu entfernen, der Film hingegen hätte doch sehr an Authentizität verloren, hätte man es weggelassen. Es reflektiert außerdem recht gut, wieviel Sklaven denn damals wert waren und wie die Menschen sich damals verhalten haben, also ich halte die Diskussion zu diesem Thema für übertrieben. Allerdings ist das meine Ansicht, ich kann nachvollziehen, dass man in den USA in der Hinsicht logischerweise anders denkt.

4. Schauspielerische Leistung

Alle waren hervorragend, und jeder konnte den anderen übertrumpfen. Christoph Waltz und Jamie Foxx harmonierten wunderbar, Leonardo DiCaprio war ein großartiger Antigonist, aber meiner Meinung nach wirklich herausragend war Samuel L. Jackson – seine Leistung ist einfach genial. Nicht besonders glücklich war mit der Entwicklung von Christoph Waltz Charakter. Er tritt als durchdachter Mann mit einem Plan von A bis Z auf, ein Typ, der zu jeder Zeit alles im Griff hat, und lässt sich dann für meine Begriffe durch ein Erlebnis auf “Candyland” relativ unvorhergesehen und unmotiviert zu einer emotionale Handlung hinreißen, was den ganzen, mühsam aufgebauten Plan von Django über den Haufen wirft und alles ins Chaos stürzt. Ich möchte an dieser Stelle noch nicht auf die Handlung eingehen, die Spoiler beginnen erst später. Das hat jetzt mehr mit dem Charakter zu tun als mit der schauspielerischen Leistung von Christoph Waltz, aber wenn man bedenkt, dass er bei der Entwicklung seines Charakters beteiligt war und Quentin Tarantino ihn bei der Erstellung des Drehbuchs miteinbezogen hat, wirkt das unstimmig.

5. Die Story

Achtung, Spoiler.

Dr. Schultz befreit Django, gemeinsam gehen sie auf Kopfgeldjagd. Schultz hilft Django, seine Frau zu finden. Diese befindet sich im Besitz des sadistischen Großgrundbesitzers Calvin Candy, der zum Spaß Sklaven bis zum Tod gegeneinander kämpfen lässt. Schultz befürchtet, dass der simple Verkauf einer 300 $ Sklavin wie Brunhinda, Djangos Frau, Candy zu uninteressant wäre, und entschließt sich zu einem Bluff: Django und Schultz geben vor, an einem der weit wertvolleren “Kampfsklaven” interessiert zu sein, um ihn in Europa als sensationelle Kampfmaschine zum Zirkus zu bringen. Im Zuge des größeren Deals sollte dann der kleinere Deal mit Brunhilda leichter möglich sein. Während der Verhandlungen zeigt sich Schultz, gebürtiger Deutscher, interessiert an der ebenfalls deutsch sprechenden Brunhilda, und der Bluff geht beinahe auf. Allerdings bemerkt Stephen (Samuel L. Jackson), Candys Aufseher, dass das Interesse von Django und Schultz eindeutig an Brunhilda alleine liegt. Der Deal platzt, und Candy verlangt “für den richtigen Sklaven” 12.000$ für sie. Schultz bezahlt, weigert sich allerdings anschließend, ihm die Hand zu schütteln, um den Deal zu besiegeln, und erschießt Candy. In der folgenden Schießerei sterben Schultz und so manche andere Leute, und Django muss sich ergeben, weil Brunhilda bedroht wird. Er soll an eine Miene vergeben werden, um sich dort zu Tode zu arbeiten, schafft es aber, die Transportaufseher zu überlisten und zu töten. (Einer davon ist Quentin Tarantino, der wieder einmal Dialog in einem seiner Filme hat, nachdem er in Inglorious Basterds nur am Boden gelegen ist und skalpiert wurde.) Django kehrt zurück auf Candyland, erschießt alle bis auf die Sklaven und sprengt das Haus mit Stephen in die Luft.

6. Mein Fazit

Ich bin ein großer Tarantino Fan, ich mag seine Art, Regie zu führen, und seine Art, Geschichten zu schreiben. Ich gebe aber offen zu, dass mich der Film nicht ganz so begeistert hat wie ich beispielsweise von Inglorious Basterds begeistert war. Möglicherweise liegt es daran, dass nach 2 1/2 Stunden der Film den Höhepunkt erreicht hat, und der Film dann noch eine halbe Stunde gedauert hat, bis er schlußendlich noch den abschließenden Höhepunkt erreicht hat.

Tarantino baut ja die Geschichte immer zum Höhepunkt auf und lässt sich dabei Zeit. Man spürt es ja schon, dass es gleich krachen wird, nur aus dem Dialog und der Stimmung. Das ist genial und unnachahmbar. Bei Django Unchained war das Problem, das ich hatte, folgendes: Christoph Waltz spielt einen Typen, der jederzeit Herr der Lage ist, lässt sich auf eine unlogische, emotionale Handlung ein und stirbt in weiterer Folge. Logischer wäre es gewesen, mit Django und Brunhilda Candyland zu verlassen, einen Racheplan zu schmieden und taktisch Candy eine Abreibung zu verpassen. Stattdessen ist der Film für Christoph Waltz aus, Django ergibt sich und die Geschichte, wie Django nun schlussendlich seine Frau rettet, wird neu aufgebaut. Dabei lässt sich Tarantino wieder Zeit. So kommt der Film auf seine knapp drei Stunden, kurzweilige Stunden wohlgemerkt, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es wirklich notwendig war, die Geschichte so zu erzählen.

Andererseits, wer bin ich, Quentin Tarantinos Art, eine Geschichte zu erzählen, zu kritisieren. Es ist eben Tarantino, mir erschien das nur ein bisschen unstimmig. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir das Genre “Western” normalerweise am Arsch vorbei geht und das der erste Western war, den ich mir in voller Länge angeschaut habe. Ich bin mit dem Genre nicht vertraut, also kann ich da auch nicht wirklich urteilen.

Ansonsten kann ich nur sagen, der Soundtrack war genial – eine Zusammenstellung von Westernsoundtracks früherer Filme und modernen Nummern, Regie war fein, Effekte waren fein, der Film war gut und unterhaltsam, ich kann ihn nur weiterempfehlen.

Viel Spaß!


2 responses to “Review: Django Unchained”

  1. Steffen says:

    Schöner Review! Besonders toll fand ich auch den Aspekt der gelgentlich eingebauten deutschen Sprache. Ich muss mich mal bei Freunden erkundigen, wie dies in der deutschen Synchronisation umgesetzt wurde – aber wir wissen ja, dass es keine gute Lösung dafür gibt. :-)

    • Lenny says:

      Würd mich auch interessieren! In der Serie “Malcolm in the middle” sprechen ja Grete und Otto, Francis Vorgesetzte, deutsch, in der Synchronisation wurde daraus dänisch. Genauso in “Scrubs”.

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