Against Dubbing

Review: World War Z

Bevor ich gestern ins Kino gegangen bin, um mir World War Z anzusehen, habe ich beschlossen, hinsichtlich diesem Review das Buch außer Acht zu lassen, um den Film fair bewerten zu können. Immerhin wäre ein Vergleich von Buch mit Film ein Vergleich von Äpfel mit Birnen. Während des Filmes wurde mir allerdings klar, dass das für mich nicht funktioniert, zu massiv wurden Grundprinzipien des Buches verändert, um einen halbwegs passablen Actionfilm zu produzieren, und seien wir uns ehrlich, wenn man einen Film produziert, der „World War Z“ heißt, darf man sich nicht beschweren, wenn man Vergleiche zieht.

Aber zunächst einmal: wieso wird überhaupt ein Film nach einem Buch benannt, wenn die Handlung fast nichts mit der Vorlage zu tun hat?

Diese Frage lässt sich mit drei Schlagworten beantworten: Marktfähigkeit, Wiedererkennungswert und Geld.

Durch den hohen Wettbewerb zwischen den Filmen haben Filme an sich heute nicht mehr viel Zeit, um die Produktionskosten wieder einzuspielen. Das war früher anders – nehmen wir zum Beispiel den ersten Star Trek Film aus den 70ern und Star Trek aus dem Jahr 2009 und die Frage, wieso man Star Trek überhaupt noch einmal aufwärmen musste, anstatt einen neuen, originellen Science Fiction Film zu drehen.

Im Jahr 1979, als der erste Star Trek Film erschienen ist, gab es drei Fernsehsesender in den USA: NBC, CBS und ABC. Es gab ein paar Radiosender, und es gab nicht so viele Neuerscheinungen im Kino wie heute. Heute gibt es ein unendliches Angebot an digitalen und analogen Unterhaltungsmedien, es erscheinen monatlich so viele Filme, dass man sich im Normalfall keinesfalls alle anschauen kann. Der Markt ist dermaßen übersättigt, es gibt so viele Quellen, aus denen man sich bedienen kann, wenn man unterhalten werden will, dass es zu einem „Blurring Effect“ kommt, der die moderne Populärkultur betrifft: Je weiter man in die Vergangenheit geht, desto besser erinnert man sich an Titel von berühmten Filmen – weil der Markt noch nicht so übersättigt war. Das kann man sogar noch bis in die frühen 90er anwenden. Jeder erinnert sich, dass Jurassic Park 1994 der Blockbuster schlechthin war. Oder „Jaws“ in den 70ern. Welcher Film allerdings war 2012 der Sommerblockbuster? Oder besser gesagt, einer der drei selbsternannten Blockbustern, von denen meistens dann einer ohnehin floppt? Nachschauen gilt nicht. Ich persönlich erinnere mich gerade nicht wirklich. (edit: Ich habe im Endeffekt zwei Tage an diesem Text gearbeitet, und während dieser Zeit ist mir – gemeinsam mit meiner Freundin dann „Prometheus“ eingefallen. Wir mussten aber tatsächlich ein bisschen überlegen – es ist fast, als würde man versuchen, sich an das Mittagessen von letzter Woche zu erinnern.)

Also ist es logisch, wenn man auf Dinge zurückgreift, die den Film eine höhere Wiedererkennungsnote verpassen – das wirkt sich dann gut an den Filmkassen aus. Tatsächlich, und das ist ja nicht neu, sind 96% aller Hollywoodfilme der Jahre 2008 und 2009 Remakes, Reboots, Fortsetzungen oder Adaptionen gewesen (Quelle: „redlettermedia.com“). So ziemlich jeder Film ist ein Remake von einem Film, eine (Pseudo)adaption von einem Buch oder Comic oder Spielzeug, Fernsehserie oder Computerspiel oder ein Reboot einer klassischen Filmreihe. Wobei man die Spiderman-Filme mit Tobey Maguire unmöglich eine „klassische Filmreihe“ nennen kann, da gab es das „Reboot“ quasi zehn Minuten (stark übertrieben) nach dem letzten Film. Höhere Wettbewerbsfähigkeit durch Markenwiedererkennung – und weil in Hollywood nun einmal das Geld regiert, ist es logisch, dass dadurch die Kreativität und Vielfältigkeit leidet. Im Endeffekt sind viele Filme absolut austauschbar – die Handlungen vorhersehbar, das Ende meistens logisch und nicht überraschend – denn wenn erst einmal ein Erfolgsrezept gefunden worden ist, folgt man lieber diesem, als sich auf riskante Experimente einzulassen.

Und das ist nun einmal das Problem mit World War Z. Das Buch verkauft sich gut und hat innerhalb kürzester Zeit einen gewissen Kultstatus erreicht – und sobald ein Buch ein Bestseller ist, wird er verfilmt. Harry Potter, Twilight, The Hunger Games, sogar Ratgeber wie „What to expect when you’re expecting“ und demnächst 50 Shades of Grey – logischerweise wagt man sich an eine Filmadaption von World War Z. Allerdings kann man aus „World War Z“ keinen mainstreamtauglichen 90-Minüter machen, der im Idealfall eine möglich niedrige Zuschauerfreigabe bekommt, damit er so viele Kunden wie möglich erreicht. Deswegen muss eine Handlung gefunden werden, die dem Erfolgsrezept des Kinos heutzutage folgt – ein Mann alleine, der seine Familie retten will und gegen einen übermächtigen Gegner ankämpft, darauf lässt sich die Handlung runterkürzen – aber zumindest noch irgendwie mit der Vorlage zu tun hat, damit man den verkaufsfördernden Titel folgt – eben World War Z.

Hier sind also meine Eindrücke des Filmes, und ich werde so objektiv und fair wie möglich sein, allerdings die literarische Vorlage nicht außer Acht lassen.

Zunächst ein Überblick über die Handlung:

Brad Pitt spielt einen UN Agenten im Ruhestand, er hat viel Zeit in Krisengebieten verbracht und hat auch Kampferfahrung. Um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen, hat er gekündigt und ist jetzt Hausmann und Familienvater. Er steckt gerade mit seiner Familie im Stau, als die Stadt plötzlich von Zombies überrannt wird und alles attackiert, was so kreucht und fleucht. Panik bricht aus, und die Familie flieht aus der Stadt.

Sie halten in einer Stadt, um Medizin für die asthmakranke Tochter zu besorgen, und geraten dabei in eine wilde Meute von Plünderern, die versuchen, Brad Pitts Frau zu vergewaltigen. Sie schaffen es, zu entkommen, und verschanzen sich in einem Wohnhaus, in dem sie von einer Familie für die Nacht aufgenommen werden. Am Morgen werden sie von einem Helikopter abgeholt, den sie mit knapper Not erreichen – die Gastfamilie wird getötet oder gebissen, und Brad Pitt im Kampf mit den Untoten beinahe gebissen – und fliegen auf einen Flugzeugträger, der die Kommandozentrale der Amerikaner darstellt. Brad Pitt wird von der UN wieder reaktiviert, und er macht sich ab sofort auf der Suche nach dem Ursprung der Krankheit, um eventuell ein Heilmittel, einen Impfstoff, herstellen zu können. Die Theorie: die Zombies werden durch einen Virus angesteckt, und gegen jeden Virus  gibt es einen Impfstoff.

Brad Pitt macht sich mit einem jungen, aber genialen Wissenschafter auf den Weg nach Südkorea, weil es eine Spur dorthin gibt. Nach der Landung gibt es ein Gefecht mit Zombies, bei dem fast die gesamte Begleitung von Brad Pitt und dem anderen getötet werden, und der Wissenschafter erschießt sich versehentlich selbst. Trotzdem findet man irgendeinen Schauplatz, ehrlich gesagt war das ein bissl uninteressant, und ein ehemaliger CIA Agent, der den Nordkoreanern Waffen verkauft hat, schickt sie dann nach Israel, weil die Israelis die ersten waren, die Maßnahmen gegen diese Zombieepedemie ergriffen haben, ergo die ersten gewesen sein mussten, die davon wussten.

Da muss ich jetzt kurz unterbrechen, weil das extrem unlogisch ist. Brad Pitt muss das alles schon längst gewusst haben, denn wenn ein Land wie Israel plötzlich absolute Quarantäne verhängt und eine riesige Mauer um das ganze Land baut, dann steht das in jeder Zeitung der Welt und wird in den Nachrichten groß dokumentiert. Vor allem, weil die Israelis aus dieser Maßnahme nie ein Geheimnis gemacht haben. Gerade ein ehemaliger UN Agent muss das doch schon längst gewusst haben. Irgendwie ist das ein Teil der Geschichte, wo der Film noch unglaubwürdiger wird. Und dann, im weiteren Laufe der Geschichte, wird Israel aus einem total dilettantischen Grund überrannt, als würde das der Nation passieren, die so dermaßen vorbereitet ist.

Dann fliegt Brad Pitt eben nach Israel und trifft dort einen ehemaligen Mossad-Agenten, der ihm über die Vorbereitungen berichtet. Dieser Teil ist übrigens quasi die einzige Sequenz im Film, die so auch im Buch vorkommt. Diese zehn Minuten des Filmes kann man sich also ruhig merken, denn es ist sozusagen die einzige Rechtfertigung, dass der Film „World War Z“ heißt. Dass er wenig zur Handlung beiträgt, ist symptomatisch. Brad Pitt besichtigt nämlich eigentlich nur die Stadt und erfährt aus den Dialogen nichts, was zur Grundhandlung entscheidend beigetragen hätte. Er wird dann Zeuge, wie die Zombies Jerusalem überrennen und merkt dabei, dass schwache und kranke Menschen von den Zombies verschont bleiben. Also schafft er es gerade noch in ein Flugzeug und fliegt zu einem WHO-Stützpunkt nach Wales. Dass dabei die Zombies das Flugzeug im Flug überrennen und Brad Pitt eine Handgranate zünden muss, woraufhin die Zombies aus dem Flugzeug gesaugt werden und das Flugzeug abstürzt, ist wenig erwähnenswert, weil Brad Pitt verletzt überlebt und das Gebäude der WHO ohnehin nur einen kurzen Fußmarsch von der Absturzstelle liegt.

In der WHO erzählt er von seiner Theorie, dass man den Menschen nur tödliche, aber heilbare Krankheitserreger verabreichen muss, und die Zombies einen dann nicht angreifen. Ja, lange Rede kurzer Sinn, das Labor mit den Erregern ist zwar überrannt von Zombies, aber er schafft es trotzdem hin und infiziert sich und natürlich greifen ihn die Zombies nicht an, und hurra: wir haben eine Tarnung gegen die Zombies und können uns jetzt ihnen nähern und sie in Ruhe töten etc. Aber der Kampf ist nicht zu Ende, er hat erst angefangen.

Soviel zur Handlung. Hier sind die Dinge, die mich gestört haben:

1.Die Jugendfreigabe

Ich bin kein Kinderfeind, aber eine Film wie World War Z darf nicht mit PG-13 freigegeben sein. Man sieht in einem Zombiefilm einfach kein Blut! Keinem einzigen Zombie wird sichtbar in den Kopf geschossen, wenn man die Serie „The Walking Dead“ gewöhnt ist, wirkt das fast wie ein Kinderfilm.

2. Die Story

Die Tatsache, dass es im Film hauptsächlich um die Suche nach einem Impfstoff gegen die tödliche Krankheit, ist erstens typisch amerikanisch und steht zweitens im krassen Widerspruch zu den Grundsätzen des Buches World War Z. Im Buch wird nämlich die Einführung eines vermeintlichen Heilmittels durch einen skrupellosen Pharmakonzern als große Katastrophe bewertet. Immerhin hat sich dadurch die amerikanische Bevölkerung fatalerweise in Sicherheit gewogen und wurde vom großflächigen Ausbruch der Zombieepedemie völlig unvorbereitet getroffen, was zu großer Panik und Chaos geführt hat. Dass man nun im Film darauf setzt, dass ein Heilmittel gefunden werden muss, wirkt da fast skurill. Außerdem hat sich der Film so sehr auf die Figur Brad Pitts konzentriert, dass die Rollen neben ihm fast unsichtbar blieben. Ich habe in der Review vorhin ganz bewusst eine israelische Soldatin, die Brad Pitt seit Jerusalem begleitet, weggelassen, um zu demonstrieren, wie egal sie in Wahrheit war. Von der Geschichte her waren alle außer Brad Pitt bedeutungslos. Man könnte World War Z – den Film durchaus als Ein-Mann-Theaterstück wiederaufführen und detailgetreu nachspielen.

3. Das Verhältnis zur Vorlage

World War Z ist einfach ein geniales Buch. Selten hat mich ein Buch so fasziniert, weil es so vielfältig, unglaublich realistisch im Sinne von nachvollziehbar und detailgetreu geschrieben ist. Es erzählt die Geschichte eines 15jährigen Krieges aus der Perspektive von vielen verschiedenen Zeitzeugen, daher auch der Titel „An oral history of the Zombie war“. Wir erfahren am Anfang über die ersten Fälle, die aufgetreten sind, wir erfahren, dass durch Menschenschmuggel und illegalen Organhandel die Krankheit sich von China ausgehend in der ganzen Welt verbreitet hat, wie Israel sofort reagiert während andere Staaten die Bedrohung nicht weiter ernst nimmt, wie es zur „Großen Panik“ gekommen ist, als die Zombies angefangen haben, Städte zu überrennen, wie sich die Länder organisieren mussten, wie Gegenmaßnahmen ergriffen worden sind und so weiter und so fort. Jeder erzählt seine Geschichte, so erfährt man viel über die Person, aber noch mehr über die Situation der ganzen Welt in der Zeit. Geopolitische Auswirkungen wie die Unabhängigkeit Tibets durch den Zusammenbruch Chinas, der Aufschwung Kubas zur Wirtschaftsmacht Nummer 1, aber auch die Geschichte der Astronauten, die während der gesamten Krise die ISS bewohnten, um die Satelliten warten zu können, werden erzählt. Das Buch ist so reich, und man erfährt so viel, gleichzeitig ist es so unterhaltsam – es ist wirklich ein Geniestreich. Was soll ich sagen, dem steht nun ein austauschbarer Hollywood-Blockbuster entgegen, der nichts von alldem wirklich beinhaltet. Man hätte mit einer originalgetreueren Verfilmung sicherlich auch die Filmwelt bereichern können, aber die wirtschaftlichen Argumente sind wohl schlagender als die künstlerischen. Ironisch wirkt es, dass Max Brooks einmal meinte, er wollte World War Z deswegen schreiben, weil man in Zombiefilmen nie wusste, was im Rest der Welt los war, wie sich die Krise global auswirkt, und deswegen wollte er ein Buch schreiben, das in der Hinsicht keine Fragen offen lässt. Da ist es erstaunlich, dass ausgerechnet die Adaption dieses Buches sich ausschließlich auf die Perspektive Brad Pitts konzentriert. Zwar versucht man ihn, wild in der Welt herumreisen zu lassen, um vielleicht doch den globalen Gedanken abdecken zu können, aber das wirkt sogar etwas unnötig. Denn auf den Schmäh mit der Krankheit hätte er auch sonstwo kommen können – die Herumreiserei ist also für die Geschichte nicht wirklich relevant. Dass die Zombies im Buch nicht rennen, möchte ich hier auch nicht unerwähnt lassen – denn das ist eigentlich auch ein entscheidender Faktor über die Stimmung im Buch und im Film. Natürlich müssen die Zombies im Film rennen, denn wir brauchen schnelle Filme, schnelle Schnitte, langsame Filme gehen ganz einfach nicht, schon gar nicht in der Zielgruppe. Schade, denn die Vorstellung eines langsamen, aber unerbittlichen und zahlenmäßig weit überlegenen Feindes ist fast grausamer als eine Menschenstampede, die durch die Gassen jagt.

 

Hier sind die Dinge, die mir gefallen haben:

1. Die Regie

Mark Forster ist einfach ein guter Regisseur, und die Sache wurde gut in Szene gesetzt. Der Film war prinzipiell interessant und spannend, unterhaltsam wie ein ganz normaler Actionfilm. Wie gesagt etwas unblutig für einen Zombiefilm, aber bitte. Ich mochte Quantum of Solace und Monster’s Ball sehr gern, und der Film ist eh ok, denk ich. Meiner Meinung nach ist Mark Forster noch nichts Wesentliches misslungen.

2. Brad Pitt

Ein von Brad Pitt produzierter Film hat den Hauptdarsteller Brad Pitt recht gut in Szene gesetzt. Kein Meisterwerk, ohne Frage, aber meiner Meinung nach hat Brad Pitt noch nie in einem wirklich schlechten Film mitgespielt. In letzter Zeit aber auch nicht mehr in einem wirklich gutem.

3. World War Z

Bei der Publicity, die das Buch gerade bekommt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand eine brauchbare Adaption macht. Ich bin Optimist.

 

Fazit: Es ist eine zwiespältige Geschichte für mich. Da ich als großer Fan des Buches die literarische Vorlage ganz einfach nicht ausblenden konnte, fand ich ihn persönlich nicht besonders gut. Neutral gesehen ist es ein gut produzierter und spannender Thriller mit vorhersehbarem, kitschigen Ende, in dem Brad Pitt wie ein Messias dargestellt wird. Aber das kennen wir von anderen Filmen auch, das ist eben Hollywood.


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